von Andrea Ritter
22.11.2020, 18:28 Uhr

Allbright-Geschäftsführerin Wiebke Ankersen im stern-Interview zur Frage warum Deutschland im internationalen Vergleich  bei Frauen in Führungspositionen hinterherhinkt und warum der Staat falsche Anreize setzt. 

Deutsche Börsenunternehmen müssen in ihren Geschäftsberichten veröffentlichen, welchen Frauenanteil sie bei der Besetzung des Vorstands anstreben. Allerdings kann diese Zahl auch bei „Null“ liegen. Ihr Bericht zeigt, dass erstaunlich viele Unternehmen von dieser Option Gebrauch machen: Null Frauen bis 2022 – dieses Ziel haben 55 der 160 Unternehmen formuliert. Woran liegt das? Haben die Betriebe Angst vor Frauen an der Spitze? 

Ich würde das nicht als Angst interpretieren – eher als Bequemlichkeit. Wenn man das Ziel so niedrig wie möglich ansetzt, muss man später nicht erklären, warum man es nicht erreicht hat. Aber diese Unternehmen bedenken nicht, was für eine fatale Wirkung diese „Null“ hat. Den Managerinnen im eigenen Unternehmen signalisiert sie: Euch sehen wir hier schon mal nicht. Und externen Managerinnen: wir sind an Frauen nicht interessiert. Die Vorgabe zeigt ein extrem niedriges Ambitionsniveau nach dem Motto: Wir haben kein Interesse an Veränderung, bei uns bleibt alles wie gehabt. Das ist nicht gerade zukunftsorientiert.