Die Wahlbehörden im US-Bundesstaat Georgia zeigten die erneute Auszählung im Livestream, doch die Trump-Anhänger, die gegen vermeintlichen Wahlbetrug protestieren, beruhigte das nicht. Ihnen ist der oberste Wahlbeauftragte suspekt, ein Republikaner. Dieser berichtete sogar von Aufforderungen seitens des neuerdings Trump-treuen Senators Lindsay Graham, Briefwahlstimmen für ungültig zu erklären.

Wolf Blitzer, CNN-Moderator
»Sie sagen, Senator Graham habe nach Wegen gesucht, legale Stimmen zu verwerfen.«
Brad Raffensperger, oberster Wahlaufseher in Georgia
»Das kann man folgern aus seiner Aufforderung, genau nachzuschauen, wie viele Stimmen man ausmustern könnte.«

Von seinen Parteifreunden bekam der Wahlaufseher sogar eindeutige Drohungen, Zitat: »Du solltest diese Nachzählung besser nicht versauen. Dein Leben hängt davon ab.«

Ralf Neukich, DER SPIEGEL
»Die Wahlnachlese in Georgia hat mich sehr an absurdes Theater erinnert, da sind viele Faktoren, von denen ich nicht für möglich gehalten hätte, dass die bei so einem Ergebnis eine Rolle spielen. Es ist ein totales Kuddelmuddel, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Am Ende bleibt aber: Die Wahl ist sauber abgelaufen in Georgia. Es hat keine Wahlfälschung gegeben. Die Maschinen haben richtig gezählt. Die Handauszählung hat das Gleiche ergeben wie die maschinelle Zählung. Und Joe Biden hat in Georgia die Mehrheit gewonnen.«

Und dabei bleibt es: Die Neuauszählung ändert das bisherige Endergebnis nur um wenige hundert Stimmen.
Biden konnte insbesondere im Großraum Atlanta Trump Stimmen abjagen. Auch in anderen größeren Städten gewannen die Demokraten hinzu. Die politische Landkarte Georgias hat sich verändert – ob der Noch-Amtsinhaber dies wahrhaben will oder nicht.
Wichtiger wird das Rennen um die beiden Senatsmandate aus Georgia – denn hier entscheidet sich die künftige Mehrheit im US-Senat. Auch bei der Wahl für den Senat war das Ergebnis äußerst knapp: Der Republikaner David Perdue gewann, aber…