Die Wahl Joe Bidens zum amerikanischen Präsidenten ist auch für den Kampf gegen den Klimawandel eine große Chance. Biden hat versprochen, dem Pariser Klimaabkommen am 20. Januar – also dem ersten Tag seiner Präsidentschaft – wieder beizutreten. Er plant, massiv in erneuerbare Energien zu investieren und strebt an, den Ausstoß von Treibhausgasen in den USA bis 2050 auf null zu reduzieren. Angesichts der Tatsache, dass die USA derzeit zweitgrößter CO₂-Emittent der Welt sind, wäre allein dieser Kurswechsel von enormer Bedeutung. Mit einem Verbrauch von knapp 5,3 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr lagen die USA 2019 im internationalen Vergleich nur hinter China. Dort war der CO₂-Ausstoß mit 10,33 Milliarden Tonnen pro Jahr jedoch fast doppelt so hoch.

Aber die Rückkehr der USA zu klimapolitischer Vernunft verspricht noch mehr als den notwendigen innenpolitischen Kurswechsel. Sie eröffnet die Möglichkeit eines völlig neuen Feldes transatlantischer Kooperation. Bisher war diese vor allem auf die Nato und außenpolitische Initiativen ausgerichtet. Hinzukommen könnte nun eine gemeinsame transatlantische Klimaaußenpolitik.

Für die USA ist Europa beim Klimaschutz ein attraktiver Partner. Denn Biden hat klimapolitisch von Trump einen enormen Imageschaden geerbt. Die Europäische Union hingegen verfügt mit ihrem Green Deal und vergleichsweise ambitionierten Zielen über klimapolitische Glaubwürdigkeit. Darüber hinaus sind wir handelspolitisch international ein Schwergewicht – eine Tatsache, die wir bei Klimafragen noch viel stärker in die Waagschale werfen können und sollten.

Ein klares europäisches Bekenntnis zu einer transatlantischen Klimaallianz würde der Biden-Administration zu Hause den Rücken stärken. Denn die Klimaleugner sind mit Trumps Abwahl nicht verschwunden. Ich schlage daher vor, dass wir nicht länger warten, sondern den USA die Hand reichen und unsererseits mit der Arbeit beginnen.

Als größte europäische Volkswirtschaft sind…