Bestmöglicher Gesundheitsschutz mit größtmöglicher Freiheit für Gesellschaft und Wirtschaft: So stellt sich FDP-Chef Christian Lindner die Corona-Strategie vor. Ein Gespräch über Lieblingsvirologen, Milchmädchen-Rechnungen und Weihnachtspläne.

Herr Lindner, wir wissen um das Risiko für alle Kranken, wenn Intensivstationen überfordert werden und die Versorgung kollabiert. Wenn Sie jenseits dieser Gefahr auf die Gesellschaft inmitten von Covid-19 blicken, was erschreckt Sie am meisten?

Christian Lindner: Das ist ein doppelter Befund: Zum einen die Duldsamkeit einer ganz großen Mehrheit der Bevölkerung, die über beeindruckendes Verantwortungsgefühl und Vernünftigkeit hinaus bisweilen völlig unkritisch auf politische Entscheidungen schaut. Da wird dann ein Ministerpräsident, der im Stil des gestrengen Landesvaters regiert, zur populärsten Figur. Der andere besorgniserregende Befund ist, wie viele ganz normale Leute irgendwo im Internet abwegige Verschwörungsgedanken aufschnappen. Diese Bandbreite – einerseits Kritiklosigkeit bei falschen Maßnahmen der Politik bis hin zu krudesten Auffassungen – das hat mich etwas Neues über die Gesellschaft gelehrt und das besorgt mich. Lassen Sie mich aber noch einen Satz zu den Intensivstationen sagen. Genau deshalb müssen wir über eine andere Strategie nachdenken. Die Hospitalisierung wächst exponentiell mit dem Lebensalter. Weshalb wir alles dafür tun müssen, um Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen besser zu schützen als bisher. Zugleich wäre das ein Baustein, um insgesamt mehr öffentliches, kulturelles und wirtschaftliches Leben zu…