Das war also der große Tag, an dem die deutsche Öffentlichkeit erstmals seit Monaten wieder Markus Braun zu Gesicht bekam. Der Ex-Chef des Skandalkonzerns Wirecard musste am Donnerstag in Berlin vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu seiner Rolle beim ehemaligen Dax-Unternehmen aussagen. Viel Erhellendes gab Braun dabei nicht von sich.

Der eigentliche Star des Tages war deshalb Tina Kleingarn, die zwischen Sommer 2016 und Herbst 2017 im Aufsichtsrat des Konzerns saß und die dortigen Zustände seinerzeit in ihrem Abschiedsbrief mit verblüffender Klarsicht beschrieb. In ihrem Brief, den sie an den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Wolf Matthias schrieb, legte sie ihr Mandat nieder, sinngemäß mit den Hinweisen, Braun führe Wirecard nach Gutsherrenart (Treffer!), Finanzvorstand Alexander von Knoop sei ein Totalausfall (Treffer!) und der restliche Aufsichtsrat eine Ansammlung von Waschlappen, die sich von Braun herumkommandieren lassen (Treffer!). Mehr Details dazu lesen Sie hier.

Kleingarns damalige Erkenntnisse kann man aus heutiger Sicht nur unterschreiben. Sie ist also die verspätete Heldin des Wirecards-Skandals – und zugleich eine tragische Figur, weil ihr Brandbrief erst jetzt an die Öffentlichkeit gelangt, wo alles zu spät ist. Kleingarn hatte seinerzeit offenkundig nicht den Mut oder die Möglichkeit, die Missstände transparent zu machen. Womöglich hatte sie dafür menschlich nachvollziehbare Gründe. Etwa, dass es der Karriere abträglich sein dürfte, in der Öffentlichkeit als Nestbeschmutzerin dazustehen und den Ruf eines vermeintlich modernen Unternehmens beschädigt zu haben, von denen es in Deutschland nicht viele gibt. Oder profaner, dass es an rechtlichen Gründen fehlte, die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

Die Untätigkeit von Finanzaufsicht und Börse

Die Finanzaufsicht Bafin zu informieren, hätte mutmaßlich auch nicht viel gebracht angesichts der Amateurhaftigkeit der Bonner Behörde. Deren Präsident Felix Hufeld hat den Skandal…