Am 18. Juni, einem Donnerstag, stehen die Vorstände des Wirecard-Konzerns einen Fußbreit vor dem Abgrund, und sie wissen, dass es kein Zurück mehr geben wird, nicht für das Unternehmen, nicht für sie. Noch einmal haben sich die drei Männer und eine Frau in der Aschheimer Firmenzentrale am Rande Münchens eingefunden. Es ist das letzte Mal, dass sie in dieser Konstellation zusammenkommen, und es ist das letzte Mal, dass Jan Marsalek überhaupt auftaucht.

Er ist nur kurz zu der Truppe dazugestoßen, die sich in der vierten Etage versammelt hat, um zu beratschlagen, wie Wirecard an die Öffentlichkeit gehen soll. Marsalek hat die letzten 48 Stunden wohl dazu genutzt, seine Flucht vorzubereiten, während die anderen Vorstände versuchten zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

Zwei Tage zuvor hatten die Bilanzprüfer von EY (vormals Ernst & Young), die sonst Jahr für Jahr trotz aller Bedenken die Zahlenwerke durchgewinkt hatten, Alarm geschlagen: 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten philippinischer Banken liegen sollen, sind verschwunden, einfach so, als wäre das Druckerpapier alle. Entsprechende Bankauszüge sind gefälscht. Diesmal kann EY die Bilanz nicht absegnen, Wirecard ist erledigt.