Der Irrsinn der ganzen Aktion würde sich auch erschließen, wenn man Rudy Giuliani das Mikrofon abgedreht hätte und kein Wort von dem verstünde, was er sagt. Am Donnerstag steht der ehemalige New Yorker Bürgermeister in einem kleinen Pressesaal in Washington, vor ihm drängen sich die Reporter der Hauptstadtmedien.

Bevor der Anwalt ans Mikrofon tritt, umarmen sich noch schnell zwei Mitarbeiterinnen des Trump-Teams innig vor den laufenden Kameras; Giuliani selbst denkt gar nicht daran, eine Maske zu tragen. Es ist erst einen Tag her, da meldeten die Vereinigten Staaten den 250.000. Corona-Toten. Giuliani und seine Leute aber tun so, als gebe es die Pandemie nur in der Vorstellungswelt durchgeknallter Linker.

Wahrscheinlich ist die Fähigkeit, die Realität zu leugnen, genau das, was der Präsident an seinem Anwalt so schätzt. Donald Trump hat die Präsidentschaftswahl verloren, daran gibt es keinen Zweifel. Joe Biden führt mit einem Vorsprung von über fünf Millionen Stimmen, er hat die entscheidenden Swing States im Norden der USA zurückerobert, die Trump 2016 den Sieg eingetragen hatten. Inzwischen hat die halbe Welt Biden zum Sieg gratuliert, von Angela Merkel bis zum Papst.

Aber hinter Giuliani steht ein Schild, auf dem zu lesen ist: »Mehrere Wege zum Sieg« – darunter in rot jene Bundesstaaten, die Trump angeblich noch gewinnen kann. Im Laufe seiner Rede läuft dem schwitzenden Trump-Anwalt dunkle Farbe über die Schläfen, es handelt sich offenbar um Haarfärbemittel. Die Reaktionen in den sozialen Medien kann man sich ausmalen.

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