Ich bin derzeit in Berlin – im Lockdown. Dieser hat zunächst mein Kriegstrauma aus der Zeit der Belagerung Sarajevos wieder geweckt, aber inzwischen komme ich klar. Ich höre Bundeskanzlerin Angela Merkel zu, sie wirkt beruhigend auf mich. Ich glaube, dass diese Frau – eine Wissenschaftlerin – weiß, wie sie die Gesellschaft schützen kann.

Vor sechs Jahren hat Bundeskanzlerin Merkel ein Treffen der Balkan-Leader persönlich initiiert und einberufen. Deutschland hat daraufhin zusammen mit Großbritannien im November 2014 die deutsch-britische Initiative für Bosnien und Herzegowina ins Leben gerufen. Einige Künstler und Aktivisten – neben mir noch Zoran Ivančić, Aleksandar Hemon, Saša Stanišić, Brano Jakubović und Vedran Mujagić – haben damals einen Brief an Angela Merkel geschrieben: Wir begrüßten die Initiative Deutschlands, aber wir zeigten uns davon überzeugt, dass diese zum Scheitern verdammt sei. Denn sie ging an der Realität in Bosnien und Herzegowina vorbei, war bürokratisch und inhaltsleer. 

Im Februar 2015 wurden wir zu einem Treffen im Bundeskanzleramt eingeladen. Wir wurden von zwei Herren, Mitarbeitern des Kanzleramts, begrüßt. Angela Merkel konnte uns nicht persönlich empfangen. Die Ukraine brannte. Einer der beiden hatte einen dünnen, halb leeren Ordner vor sich. Darauf stand: „Bosnien und Herzegowina“. „Ist das alles, was Sie über uns haben?“, fragte ich ihn. „Ja“, sagte er. Der eine war noch nie in Bosnien gewesen, der andere hatte, wenn ich mich richtig erinnere, unser Land nur einmal kurz besucht. Gemeinsam mit meinem Produzenten Zoran Ivančić erklärte ich Punkt für Punkt, warum die deutsch-britische Initiative (später EU-Initiative genannt) für Bosnien und Herzegowina nicht funktionieren würde. Wir beschränkten uns aber nicht nur auf Kritik: Wir haben Lösungen vorgeschlagen, Argumente vorgebracht und ein Papier mit Maßnahmen verfasst, die echte Veränderungen hätten bewirken können.

(meine BG „Der Bosnienkrieg in…