Deutschland schafft es nicht, die heimische Biodiversität ausreichend zu schützen, obwohl sich die Regierung dazu völkerrechtlich verpflichtet hat. Das geht aus dem aktuellen Indikatorenbericht der Bundesregierung hervor, der dem SPIEGEL vorliegt. Bei 11 von 13 Indikatoren mit konkreten Zielwerten, darunter die Artenvielfalt und der Schutz gefährdeter Arten, liegen die Werte demnach noch »weit« oder »sehr weit« vom Zielbereich entfernt. In einer Einschätzung des Umweltministeriums zum Bericht heißt es, die für die Jahre 2020 und 2030 geltenden Zielwerte könnten »aller Voraussicht nach nicht erreicht werden«.

Der erst jetzt verspätet fertig gewordene Bericht 2019 ist der dritte nach 2010 und 2014. Er informiert über den Zustand und die Entwicklung der Pflanzen, Tiere und Naturlandschaften in Deutschland und soll ein Beitrag sein zur Dekade der biologischen Vielfalt, die die Vereinten Nationen für 2011 bis 2020 ausgerufen haben, um die Menschen für das Thema zu sensibilisieren.

Die wichtigste Ursache für den Artenrückgang, so der Bericht, sei die intensive landwirtschaftlich Nutzung. In Siedlungsbereichen wirken sich Bautätigkeit und Flächenversiegelung negativ aus. Auch die Zunahme von Schutzgebieten führt offenbar nicht dazu, die  Arten ausreichend zu schützen. Typische Feldvögel wie Kiebitz oder Feldlerche gingen in der Agrarlandschaft im Bestand zurück – ein Umstand, auf den Organisationen wie der NABU seit Jahren hinweisen.  

Ob die eingeleiteten Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen mittel- und langfristig zur Trendumkehr führen, so der Bericht selbstkritisch, sei »derzeit offen«. Der Indikatorenbericht sei eine »Bankrotterklärung« für die Naturschutzversuche der Bundesregierung, sagt Steffi Lemke, Parlamentarische Geschäftsführerin und naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen. Die nun vorangetriebene Reform der EU-Agrarpolitik werde das Artenaussterben weiter zementieren. Das im Wesentlichen beibehaltene System der flächengebundenen…