Großformatige Fotos der beiden aus den vergangenen Jahren hängen an Wäscheleinen. Der Holzboden ist grau gestrichen, die Wände sind blütenweiß, Pflanzen stehen im Raum. Ein hippes Loft in Berlin-Neukölln (Eigenwerbung: »Take a deep breath and develop your creative potential!«) bildet die Kulisse für ein PR-Interview mit den Grünenvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck. Sie sitzen auf grauen Stühlen, zwischen ihnen ein Holzblock, der ein Tisch sein soll, und reden über das neue Grundsatzprogramm der Partei, das an diesem Wochenende beschlossen werden soll.

Ausschnitte aus dem Werbefilm haben die Parteichefs auf ihre Instagram-Kanäle hochgeladen. Baerbock sagt, man müsse »den Moment der Veränderung« durch die Klimakrise nutzen, um »besser und gerechter« zusammenzuleben. Habeck fordert mehr Investitionen, in Schulen, Bibliotheken, Spielplätze. Am Ende der Videos steht auf einem Banner in Grüntönen: »WIR SIND BEREIT.«

Bereit für was?

Wenn es nach Baerbock und Habeck geht: für so ziemlich alles. Die Welt retten? Na klar. Die Union als Kanzlerinnenpartei herausfordern? Logisch. Den Kanzler oder die Kanzlerin stellen? Natürlich. Aber nicht nur das. Die Grünen können auch jedes Ministerium. Jüngst antwortete Robert Habeck auf die Frage eines »Welt«-Journalisten, ob die Zeit für einen grünen Innenminister reif sei: »Absolut.«

Hauptsache regieren

Die Grünen haben die Oppositionsrolle satt. Sie wollen regieren, daraus machen sie keinen Hehl. In Umfragen liegen sie seit zwei Jahren vor der SPD, zeitweise rückten sie sogar an die Union heran. Inzwischen führen CDU und CSU den Demoskopen zufolge wieder deutlich, aber die Grünen rechnen damit, dass da noch was geht. Sobald sich die CDU für einen neuen Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten entschieden hat. Sobald die Bevölkerung spürt, dass die Ära Angela Merkel nun wirklich zu Ende geht. Dann, so die Hoffnung der Grünen, wird ein Wählerpotenzial frei, aus dem sie schöpfen können.

Für die…