Geht es nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sollten Covid-19-Patienten nicht mehr mit dem zunächst vielversprechend scheinenden Medikament Remdesivir behandelt werden. Das Medikament habe »keinen entscheidenden Einfluss« auf die Überlebenswahrscheinlichkeit, teilte die Organisation mit. Remdesivir ist eines von wenigen Mitteln, die Ärzten bei der Behandlung von Covid-19 zur Verfügung stehen.

Die internationalen Experten des WHO-Gremiums für Leitlinien-Entwicklung (GDG) stützten ihre neue Empfehlung auf vier internationale Studien. Diese enthalten Daten von mehr als 7000 Krankenhauspatienten, die sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hatten.

Den Ergebnissen zufolge gebe es aktuell keinen Nachweis dafür, dass eine Behandlung mit Remdesivir die Sterblichkeit reduziere, vor einer künstlichen Beatmung schütze oder die Zeit im Krankenhaus verkürze, so die WHO. Dabei spiele es keine Rolle, wie schwer die Covid-19-Erkrankung sei.

Die Experten räumen in der Fachzeitschrift »British Medical Journal« (BMJ) jedoch auch ein, dass ihre Empfehlung nicht bedeute, dass Remdesivir absolut keinen Vorteil für Patienten bringe. Der Ratschlag beruhe stattdessen auf einer Abwägung zwischen den Daten zu Wirksamkeit, Behandlungskosten und Verabreichungsmethoden. Es sei zudem noch nicht ausgeschlossen, dass das Medikament auch Schaden anrichten könnte.

Erstes in Europa zugelassenes Corona-Medikament

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte Remdesivir im vergangenen Monat zur Behandlung von Covid-19-Patienten offiziell zugelassen, das Mittel hatte zuvor bereits eine Notfallzulassung. Auch in Europa erhielt Remdesivir Anfang Juli als erstes Mittel überhaupt eine Marktzulassung für die Therapie von Covid-19-Patienten. Die Zulassung ist jedoch zunächst auf ein Jahr begrenzt und gilt nur für bestimmte, schwer erkrankte Patienten. Sie kann jederzeit zurückgezogen werden.

Die europäischen Behörden hatten ihre Entscheidung im Juli vor allem auf eine Studie mit mehr als…