Den Gefallen tut Angela Merkel dem Regierenden Bürgermeister von Berlin nicht, dass sie ihm ihre Aufmerksamkeit schenkt, während er sie kritisiert. Angucken kommt nicht infrage, dafür ist sie viel zu beschäftigt. Sie muss ihre Akten sortieren, sie muss auf einem ihrer Handys herumtippen. Da kann sie sich doch nicht auf einen Bürgermeister konzentrieren, schon gar nicht einen, der findet, die Bundeskanzlerin habe einen Fehler gemacht.

»Genervt« habe Merkel in dieser Situation gewirkt, erzählen Teilnehmer der Konferenz der Ministerpräsidenten (MPK) mit der Bundeskanzlerin am vergangenen Montag. Es ging um eine harsche Beschlussvorlage, mit der Merkel die Kolleginnen und Kollegen am Vorabend überrascht hatte.

»Genervt« ist ein Wort, das sehr oft zu hören ist, wenn man mit Teilnehmern dieser Runde spricht. Seit März ist sie das Zentrum der Politik gegen die Pandemie in Deutschland. Ein Aufstieg für die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten. Vor Corona war Merkel eindeutig die Nummer eins im Land, sie bestimmte die Richtlinien der Bundespolitik. Jetzt muss sie sich bei der wichtigsten Aufgabe ihrer Amtszeit mit der Gruppe der 16 arrangieren, der wilden 16. Denn viele Teilnehmer der Runde lehnen sich immer wieder gegen Merkels Vorgaben auf.