An einem Oktobertag steht der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir auf dem frisch begrünten Mittelstreifen der Tauentzienstraße in Berlin-Charlottenburg, umringt von Kindern, die ein Autogramm wollen. »Für Clara und Marie«, schreibt er auf einen Flyer mit Grünenlogo, die Eltern sind nicht in Sicht, es scheint, als wären Clara und Marie von sich aus auf die Idee gekommen, ihn nach einer Unterschrift zu fragen.

Das ist nicht abwegig, denn Özdemir ist nicht nur einer der beliebtesten Politiker des Landes, sondern auch einer der bekanntesten.

»Tauzieh’n am Tauentzien« heißt der Programmpunkt, für den Cem Özdemir an diesem Samstag an den Breitscheidplatz geradelt ist. Unter dem Hashtag #Rasenstattrasen wird hier über eine verkehrsberuhigte Innenstadt nachgedacht, es gibt eine »Speakers Corner« mit Podesten, auf einem steht eine Frau mit orangefarbenen Haaren, sie wünscht sich eine Magnetschwebebahn nach Warschau. Sie sagt: »Ich sehe keine Zukunft im motorisierten Individualverkehr.« Ausgedacht hat sich das Ganze das von Grünen dominierte Bündnis »Stadt für Menschen«, aber der Bezirksbürgermeister, ein SPD-Mann, ist auch da.