Im Grunde ist die Rechnung einfach:

Eine Neuauflage der Großen Koalition? Politisch unerwünscht.

Schwarz-Gelb oder Rot-Rot? Keine Mehrheiten in Sicht.

Die AfD in der Regierung? Unvorstellbar.

Damit scheint eines – zumindest aktuell, etwa zehn Monate vor der Bundestagswahl – unausweichlich: Wer nach der Entscheidung im Herbst 2021 in Deutschland regieren will, kommt an einer Partei nicht vorbei: den Grünen.

Die Ökopartei hält sich nach ihrem Höhenflug der vergangenen Jahre auf Platz zwei in den Umfragen, hinter der Union und vor der SPD. Und die Grünen tun für ihren Teil alles, dass sie im Fall der Fälle auch mit allen könnten.

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Erfolgsrausch: Habeck und Baerbock nach ihrer Wahl an die Spitze der Grünen im Januar 2018

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

In der Sozial- und Gesellschaftspolitik bewahrt sich die Partei ihre großen Schnittmengen mit dem linken Lager. Gleichzeitig startete die Grünenspitze zuletzt eine regelrechte Flirtoffensive Richtung Union – samt schmachtender Glückwunschanzeige zum CDU-Geburtstag. Am Wochenende wollen die Grünen auf ihrem Parteitag ihr neues Grundsatzprogramm beschließen. An ihrer parteipolitischen Flexibilität dürfte sich dadurch nichts ändern.

Doch während die Grünen nach der Bundestagswahl womöglich freie Partnerwahl haben, stellen sie die potenziellen Koalitionäre vor ein Dilemma.

Heißbegehrter Partner und größter Konkurrent

Sowohl im konservativen als auch im linken Spektrum braucht man die erstarkten Grünen für die Macht. Die Union könnte entweder allein mit den Grünen regieren oder, wenn es dafür nicht reicht, in einem Jamaikabündnis gemeinsam mit der FDP. Den Linken bleibt nur die Hoffnung auf Rot-Rot-Grün. Die SPD könnte darüber hinaus allenfalls auf eine Ampelkoalition mit der FDP spekulieren. Auch da wären die Grünen dabei.

Gleichzeitig ringen all diese Parteien mit der Ökopartei um Stimmen. Die Grünen fahren einen Mitte-Kurs, Kritiker werfen ihnen…