Bis heute ist der inzwischen hundertjährige Benjamin Ferencz – genannt Ben – ein grundoptimistischer Mensch. Obwohl er als US-Soldat im Zweiten Weltkrieg und Chefermittler in Sachen Naziverbrechen Furchtbares erlebt und gesehen hat. „Es bringt ja nichts, in einem See aus Tränen zu ertrinken. Wer innerlich weint, sollte nach außen besser lachen“, gibt er in einem aktuellen Buch über ihn („Sag immer Deine Wahrheit“, 2020) zum Besten.

Dank seines kriminalistischen Spürsinns hatten die Ankläger im Nürnberger Prozess, der am 20. November 1945 gegen die Hauptkriegsverbrecher unter anderem Göring, Heß,von Schirach, Kaltenbrunner eröffnet wurde, ausreichend Beweismaterial und Nazidokumente in der Hand. „Ohne Ferencz hätte es diesen spektakulären Prozess vielleicht nicht gegeben“, sagt Axel Fischer, Medienwissenschaftler vom Memorium Nürnberger Prozess im DW-Interview.

Hauptkriegsverbrecher auf der Anklagebank (v.l.n.r. vorn: Göring, Heß, von Ribbentrop, Dönitz, von Schirach)

Seine Zeit als Soldat in der US-Armee begann trostlos: Der belesene Harvard-Absolvent Ben Ferencz, der sein Jura-Studium einem Stipendium für Hochbegabte zu verdanken hatte, fing als Schreibkraft in Camp David im US-Bundesstaat North Carolina an. Zu dem Zeitpunkt konnte er weder Schreibmaschine schreiben, noch ein Gewehr abfeuern. Klo putzen, Töpfe und Böden schrubben gehörten zum Dienst dazu.

Als Jurist an Kriegsfront

Doch im Frühjahr 1944 wurde es für den jungen Mann ernst: Seine Kampfeinheit wurde im 2. Weltkrieg nach England verlegt. Am 6. Juni 1944, dem berühmten D-Day, sprang US-Soldat Ben Ferencz mit seinen Kameraden vom Landungsboot an den Omaha Beach der nordfranzösischen Küste der Normandie. Die Invasion der Allierten hatte begonnen – und damit das Ende der Nazi-Vorherrschaft über Europa.

Beim Vormarsch der US-Truppen durchbrach Ferencz mit seiner Einheit den Westwall, kämpfte bei der Ardennenoffensive an vorderster Front und überquerte im Frühjahr 1945 mit den…