Wenn es einen Hinweis darauf gibt, wie der Zeuge im Moment seiner Aussage fühlt, dann ist es die Haltung seiner Arme. Den linken hält er etwas verkrampft vor dem Bauch, mit der rechten, flachen Hand stützt er sich schwer auf die Tischplatte, als suche er Halt. Er legt zwei Zettel vor sich ab, die knittrig aussehen. Das passt so gar nicht zu seinem hyperkorrekten Aussehen, zum dunklen Rollkragenpullover und Anzug, der perfekt sitzt. Vielleicht liegt es daran, dass der Mann per Gefangenentransport anreisen musste.

Zu Beginn will er verbindlich sein. Höflich fragt er: „Hören mich alle gut?“ Dann sagt er: „Mein Name ist Markus Braun, 51 Jahre alt. Ich wohne derzeit in der JVA Augsburg und bin Wirtschaftsinformatiker.“

Selten kommt es vor, dass ein Häftling in den Deutschen Bundestag kommt. Einer, dem bandenmäßiger Betrug vorgeworfen wird. Gleich ein halbes Dutzend Polizisten begleiten ihn, in kugelsicheren Westen. Aber beim Ex-Chef des Wirecard-Konzerns sind die Behörden nervös. Der Österreicher ist nicht nur einer der Hauptfiguren in dem größten Finanzskandal der Nachkriegszeit. 1,9 Milliarden Euro sind verschwunden, genauso wie sein geflüchteter Vorstandskollege Jan Marsalek.

24 Milliarden Euro Börsenwert haben sich pulverisiert durch die Pleite, tausende Anleger wurden um viel Geld geprellt. Doch die Wirecard-Insolvenz ist noch mehr: Es geht um Geheimdienstverstrickungen, um eine Söldnerarmee in Libyen, Glücksspiel und Pornografie. Aber es geht auch darum, dass der Konzern mit Sitz in Aschheim bei München lange Zeit als nationaler Champion galt, für den sogar die Bundeskanzlerin bei der chinesischen Regierung geworben hat.

Nach der Insolvenz im Juni diesen Jahres und der Verhaftung Brauns tritt erstmals einer der Akteure dieses Finanzthrillers öffentlich auf. Doch mehr als das knappe Statement auf seinem knittrigen Zettel will er nicht sagen.

In seinem Outfit sieht Braun ein bisschen aus wie ein Mitglied der Technopioniere von Kraftwerk, bekannt für den…