Die Türkei vollzieht die von Experten dringend angeratene Kurskorrektur in der Geldpolitik: Die Notenbank hat mit einer ungewohnt starken Zinserhöhung auf die hohe Inflation und den jüngsten Wertverfall der Lira reagiert.

Der Leitzins werde um 4,75 Prozentpunkte auf nun 15 Prozent angehoben, teilte die Zentralbank am Donnerstag in Ankara mit. Zur Einordnung: Im Euroraum liegt der Leitzins derzeit bei 0 Prozent, in den USA nur knapp darüber.

Dennoch war dieser Zinsschritt der türkischen Zentralbank an den Finanzmärkten erwartet, ja sogar gefordert worden. Grund dafür sind die erheblichen Währungsturbulenzen, in denen sich die türkische Lira zuletzt befand.

In den vergangenen Wochen war bekannt geworden, dass Regierung und Zentralbank Verkäufen von Währungsreserven in Höhe von mehr als 100 Milliarden Dollar versucht hatten, den Lira-Kurs zu stabilisieren – aber keinen Erfolg hatten. In der Folge kam es zu weitreichenden personellen Konsequenzen: Finanzminister Berat Albayrak – Präsident Recep Tayyip Erdoğans Schwiegersohn – gab sein Amt auf, auch die Führung der Zentralbank wurde neu besetzt.

Jahre währende Überhitzung der Wirtschaft

Wichtiger aber noch war das Signal, das Präsident Erdoğan selbst gab: Seit Jahren vertritt er die eher unorthodoxe Auffassung, in Wahrheit sei der hohe Leitzins verantwortlich für Inflation und Währungsverfall (tatsächlich ist es genau umgekehrt). Mitte November versprach er aber eine klare Korrektur seines Kurses.

Unmittelbar nach seiner Amtsübernahme vor zwei Wochen hatte der neue Notenbankgouverneur Naci Agbal mit klaren Signale die Zinserhöhung angedeutet. Nach den Hinweisen des Notenbankchefs stabilisierte sich die türkische Lira bereits, nachdem sie zuvor im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro jeweils Rekordtiefs erreicht hatte. Nach der Zinserhöhung knüpfte die Lira an die jüngste Erholung an und legte deutlich zu.

Ökonomen warnen seit Jahren, Erdoğan und die von ihm abhängige Zentralbank riskierten…