Milliardenverluste, schlechte Geschäfte im Stahlbereich und eine schwierige Sanierung: Die stolzen Zeiten des Essener Thyssenkrupp-Konzerns sind lange vorbei. Nun will die kriselnde Unternehmensgruppe den geplanten Jobabbau fast verdoppeln. Statt der im Mai 2019 angekündigten 6000 sollen nun 11.000 Arbeitsplätze gestrichen werden, wie der Konzern bei der Vorlage der Bilanz für 2019/20 mitteilte.

„Betriebsbedingte Kündigungen sind nach wie vor die ultima ratio. Wir können sie aber im Moment nicht ausdrücklich ausschließen“, betonte Personalvorstand Oliver Burkhard.

Fehlbeträge

Thyssenkrupp verbuchte unter dem Strich – ohne die veräußerte Aufzug-Sparte – einen Fehlbetrag von 5,5 Milliarden Euro. Insbesondere die von der Corona-Krise gebeutelte Stahlsparte verhagelte das Ergebnis. Eine Dividende soll es erneut nicht geben. Im Geschäftsjahr 2020/21 soll es zwar besser laufen. Am Ende rechnet der Vorstand aber immer noch mit einem Jahresfehlbetrag von mehr als einer Milliarde Euro.

Aus dem Verkauf des Aufzug-Geschäfts erzielte der Konzern einen Gewinn von 15 Milliarden Euro, durch den das Unternehmens seine Eigenkapitalquote auf 28 Prozent von zuvor sechs Prozent erhöhte. Das ist die eine Seite. Die andere: Allein die Stahlsparte schrieb einen operativen Verlust von 946 Millionen Euro. 

Den Weg noch vor sich

Vorstandschefin Martina Merz erklärte, es seien zwar beim Umbau des Konzerns „erste kraftvolle Schritte“ gemacht worden. Merz hatte sich nach eher glücklosen Vorgängern an die weitere Sanierung des Traditionsunternehmens gemacht. „Es liegt aber noch ein gutes Stück Weg vor uns. Wir werden noch weiter in den ‚roten Bereich‘ gehen müssen, ehe wir Thyssenkrupp zukunftsfähig aufgestellt haben.“

Die Saniererin: Martina Merz

Die nächsten Schritte könnten schmerzhafter werden als die bisherigen. Für den Stahlbereich werde wohl im Frühjahr eine Grundsatzentscheidung getroffen. Merz hatte erklärt, es gebe hier keine Tabus. Möglich sei sowohl ein Verkauf…