Der Preisträger zeigte sich von der Ehrung überwältigt. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Douglas Stuart, der wie die anderen Finalisten von Zuhause aus der Online-Zeremonie in London zugeschaltet war. Douglas Stuart ist erst der zweite Schotte, der mit dem Booker Prize geehrt wird. „Shuggie Bain“ ist sein Debütroman. 

In seinem Roman kämpft eine Familie im verarmten Glasgow der 1980er Jahre mit der Alkoholsucht der Mutter und gegen die totale Perspektivlosigkeit. Der Protagonist Shuggie trägt autobiografische Züge des Schriftstellers in sich: Dessen Mutter starb an den Folgen ihrer Abhängigkeit, als Douglas Stuart noch ein Kind war. „Meine Mutter befindet sich auf jeder Seite dieses Buches“, sagte der Preisträger, „ohne sie wäre ich nicht hier und ohne sie wäre dieses Buch nicht hier.“

Diversität als Normalität

Die Jury-Vorsitzende Margaret Busby ging vor der Verkündung des Preisträgers auf die im Vorfeld viel beachtete Diversität der Finalisten und ihrer Geschichten ein: „Es gibt keinen Grund, das zu kommentieren“, sagte Busby, denn Diversität sei inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Sie verwies darauf, dass in der Jury des 1969 gegründeten Booker Prize erst 2015 zum ersten Mal ein schwarzer Juror saß.

Alle Beiträge auf der Short List beschäftigen sich mit den großen Herausforderungen der Gegenwart – vom Klimawandel bis zur Armut. Sie verhandeln Geschlechterfragen ebenso wie Ethnizität, Rassismus, Klassenzugehörigkeit und Homophobie.

Der zugeschaltete Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro, 1989 für „Was vom Tage übrig blieb“ mit dem Booker Prize ausgezeichnet, sagte, die Pandemie reflektiere, was mit diesem Preis gefeiert werde: „Wir sitzen lange allein in einem Raum und schreiben, und dann lesen es Menschen, die allein in einem Raum sitzen.“

Wichtigster Literaturpreis Großbritanniens

Der Booker Prize gilt als wichtigste Literaturauszeichnung Großbritanniens. Er ist mit 50.000 Pfund (rund 57.000 Euro) dotiert. Ausgezeichnet werden…