Nürnberg 1945: Die zweitgrößte Stadt Bayerns liegt weitgehend in Trümmern. Nach den fast sechs Jahren des Zweiten Weltkriegs hat Deutschland am 8. Mai bedingungslos kapituliert. Nun soll Nürnberg, wo die Nationalsozialisten einst ihre pompösen Reichsparteitage zelebrierten, zum Schauplatz der Rechtsprechung werden. Es geht um Angriffskriege, Massenmorde und zwölf Jahre Diktatur. Die Siegermächte USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich richten dafür einen Internationalen Militärgerichtshof ein.

Gegen 24 Hauptkriegsverbrecher wird Anklage erhoben. Am 20. November beginnt das Verfahren gegen die engen Gefolgsleute des Diktators Adolf Hitler. Nazi-Größen, die ehemals von der Weltherrschaft träumten, finden sich auf den hölzernen Anklagebänken im Gerichtsaal 600 des Justizpalastes wieder.

Darunter Reichsmarschall und Luftwaffen-Oberbefehlshaber Hermann Göring, Hitlers zeitweiliger Stellvertreter Rudolf Heß und Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop. Ihnen werden Verschwörung gegen den Weltfrieden, Planung, Entfesselung und Durchführung eines Angriffskrieges, Verbrechen gegen das Kriegsrecht und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Der US-amerikanische Hauptanklagevertreter Robert H. Jackson war auch an der Organisation des Militärgerichtshofs beteiligt

Nazi-Organisationen wie die Schutzstaffel, SS, oder die Geheime Staatspolizei, Gestapo, sind ebenfalls angeklagt – als „verbrecherische Organisationen“. Die schlimmsten Täter stehen allerdings nicht vor Gericht: Hitler, SS-Chef Heinrich Himmler und Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels hatten bei Kriegsende Selbstmord begangen.

Recht statt Rache trotz unermesslichen Leids

Dennoch: Erstmals in der Menschheitsgeschichte ziehen Staaten unterschiedlicher Regierungsformen und Verfassungen führende Vertreter eines besiegten Feindes für Verletzungen des Völkerrechts juristisch zur Rechenschaft. Ein Meilenstein des Völkerstrafrechts.

In seiner Eröffnungsrede betont der…