Wie so oft in diesen Tagen lassen sich die unangenehmen Fragen nicht vermeiden. Europa leidet unter der zweiten Corona-Welle – auf die Menschen in Ostasien wirkt das befremdlich. »Wir sorgen uns um euch«, sagt Kim Dong-hyun, kaum hat er Platz genommen in einem Büro in Südkoreas Hauptstadt Seoul. Hinter ihm tragen die Menschen an den Schreibtischen Masken. Wie gefährlich das Virus ist, sei doch bekannt, sagt Kim. »Warum seid ihr so unvorbereitet?« 

Fassungslosigkeit schwingt in seiner Frage mit. Als einer der führenden Epidemiologen Südkoreas hat er den Ausbruch des Virus seit Anfang des Jahres genau verfolgt und die Strategie der Regierung mit ersonnen. Wegen der engen Verflechtungen mit China befürchteten viele in Südkorea, Taiwan und Japan, dass sie besonders hart getroffen würden von Covid-19. Da die Menschen in den ostasiatischen Metropolen auf engem Raum leben, könnte sich das Virus rasant verbreiten. 

Ihren ersten Coronafall meldeten Japan, Taiwan und Südkorea Mitte Januar – zeitgleich mit den USA. In den Vereinigten Staaten starben bei einer Bevölkerung von gut 330 Millionen seither fast 252.000 Menschen. In den drei ostasiatischen Ländern – zusammen immerhin 201 Millionen Menschen – gab es 2406 Corona-Tote.