Der 4. August begann für Melanie Dagher um kurz vor 7 Uhr am Morgen mit einem Kaffee, schwarz. Eine Reihe von Terminen, Konferenzen stand in ihrem Wochenplaner, Dagher arbeitet als Kreativdirektorin in der Modebranche. Erst vier Tage zuvor war sie in ihr Appartement gezogen, nur ein paar Minuten vom Hafen in Beirut entfernt.

Sie fuhr mit ihrem Wagen ins Büro, erledigte, was anstand, brachte um 14 Uhr einen wichtigen Vertrag zum Abschluss und fühlte sich zum ersten Mal seit ihrer Rückkehr aus Deutschland heimisch und willkommen im Libanon. Im März war sie zurückgekehrt, nach einem Jahr in Berlin, allerdings nicht freiwillig. Probleme mit ihrem Visum zwangen sie zur Rückkehr. Statt zu Vorstellungsgesprächen bei Zalando und Porsche zu erscheinen, statt Karriere in Deutschland machen zu dürfen, setzte sie sich ins Flugzeug und flog zurück nach Beirut, in eine Stadt, in der sie ihren Tagesablauf viel zu oft danach ausrichten muss, wann Strom zur Verfügung steht.

Gegen 16 Uhr verließ sie das Büro, ließ sich die Nägel in einem Schönheitssalon machen, fuhr dann nach Hause. Um 18 Uhr wollte Dagher in einer angesagten Bar sitzen, im Electric Bing Sutt, die »asiatische Küche mit New York Funk mixt«, so erzählte sie es während eines Treffens in Beirut. Die Bar lag etwa 500 Meter entfernt vom Hafen, in der Gouraud Street.