Der militärische Konflikt zwischen Rebellen und der Regierung im Norden Äthiopiens strahlt bereits auf benachbarte Staaten aus, nun bringt die Regierung auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Spiel. Deren Chef, der Äthiopier Tedros Adhanom Ghebreyesus, soll nach Angaben des äthiopischen Militärs versuchen, den abtrünnigen Tigray mit Waffen und diplomatischer Unterstützung zu helfen.

»Dieser Mann ist ein Mitglied der Gruppe«, sagte Armee-General Birhanu Jula laut übereinstimmenden Berichten. »Wir erwarten nicht, dass er sich auf die Seite der Äthiopier stellt und diese Leute verurteilt«, sagte Jula weiter. Tedros habe alles getan, um die TPLF zu unterstützen und benachbarte Staaten dazu gedrängt, den Krieg zu verurteilen.

Jula nimmt offenbar Bezug darauf, dass Tedros ebenfalls der Ethnie der Tigray angehört. Deren politischer Arm, die Tigray People’s Liberation Front (TPLF) regiert in der gleichnamigen Provinz im Norden des Landes. Äthiopiens Regierung geht seit Anfang November militärisch gegen die TPLF vor.

Hardliner in Tigray fordern Abspaltung von Äthiopien

Seit der Machtübernahme des derzeitigen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed und dem Versuch einer Demokratisierung Äthiopiens, nehmen die ethnischen Spannungen und Konflikte in Äthiopien stark zu. Besonders zwischen der Regierung in der Hauptstadt Addis Abeba und der TPLF in Tigray.

Die Volksbefreiungsfront fordert größere Autonomie, nachdem Abiy die Tigray nach seiner Amtsübernahme aus den Schaltzentralen der Macht gedrängt hatte. Hardliner in Tigray fordern dagegen eine Abspaltung der Region von Äthiopien.

Beweise für eine Verwicklung Tedros‘ in den Konflikt legte das Militär jedoch nicht vor. Eine Sprecherin der WHO kommentierte die Vorwürfe laut der Nachrichtenagentur Reuters zunächst nicht. »Was ich sagen kann, ist, dass ich Tedros als jemanden kenne, der sich engagiert für die globale Gesundheit, die Gesundheit der Menschen und Frieden einsetzt«, sagte die Afrika-Chefin der WHO…