Katar hat die Lage ausländischer Arbeiter nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zwar verbessert, setzt wichtige Reformen aber nur unzureichend um. Das ist das Ergebnis eines Amnesty-Berichts zwei Jahre vor Beginn der umstrittenen Fußball-Weltmeisterschaft in dem Emirat.

Amnesty begrüße die Arbeitsmarktreformen grundsätzlich, sagte die Nahost-Expertin der Organisation, Regina Spöttl. »Wenn sie richtig umgesetzt würden, dann wären viele problematische Aspekte beseitigt. Bei der Umsetzung hapert es allerdings, sie erfolgt nur halbherzig.« Wenig getan habe sich vor allem beim Hauspersonal. Zudem werden laut Amnesty einheimische Arbeitgeber bei Verstößen häufig nicht zur Rechenschaft gezogen. Dadurch seien Tausende Arbeiter weiter skrupellosen Arbeitgebern ausgesetzt, deren Taten oft straflos blieben.

Arbeiter immer noch eng an Arbeitgeber gebunden

Katar hatte nach anhaltender internationaler Kritik umfassende Reformen beschlossen, die die Lage der Arbeitsmigranten verbessern sollen. So baute Katar das Kafala-System ab. Dieses auch in anderen Ländern der Region verbreitete System bindet ausländische Arbeiter fest an einen einheimischen Bürgen wie einen Arbeitgeber. In Katar können Migranten nun ohne Zustimmung ihres Arbeitgebers ausreisen oder den Job wechseln. Zudem legte das Land einen Mindestlohn fest. Die Uno-Arbeitsorganisation ILO sprach von einem »historischen Schritt«.

Amnesty führt in dem Bericht – auch in diesem Punkt – allerdings noch immer Missstände auf:

Kafala-System: »Das Kafala-System hat zwar einen anderen Namen bekommen, besteht in seinen Grundfesten aber weiter«, kritisiert Spöttl. So müssten Hausangestellte ihre Arbeitgeber 72 Stunden vorab informieren, wenn sie ausreisen wollen, weil sie etwa die Arbeitsbedingungen nicht ertragen. Dadurch hätten Arbeitgeber Zeit, Vergeltung zu üben, klagt Amnesty. Sie könnten Angestellte beschuldigen, sich unerlaubt der Arbeit entzogen oder gestohlen zu haben. Dann…