Regelmäßig werden mehrere Zehntausend Menschen in Deutschland Opfer von Anlagebetrug: 54.000 Investoren etwa haben ihr Geld dem pleitegegangenen Containeranbieter P&R anvertraut, 40.000 dem Fondshaus Wölbern, 11.000 dem Immobilienunternehmen S&K, 25.0000 der Kapitalanlagegesellschaft Göttinger Gruppe.

Und nun Wirecard. Oft wird den Betroffenen Gier vorgeworfen oder gesagt, sie seien auf absurde Versprechungen hereingefallen.

Aber wenn hoch qualifizierte Wirtschaftsprüfer den Betrug nicht entdecken, sondern Jahr für Jahr ihr Siegel unter die Bilanzen setzen, wenn staatliche Aufseher nicht die kriminellen Machenschaften der Protagonisten erkennen – wie will man dann normalen Bürgern vorwerfen, sie hätten es sehen müssen?

Deutschland ist in vielerlei Hinsicht ein Paradies für Finanzkriminalität und Geldwäsche. Das kostet jeden einzelnen Bürger Geld – und zwar in noch sehr viel größerem Ausmaß, als es vielen wahrscheinlich bewusst ist. Denn auch Skandale wie der um den Zahlungsdienstleister Wirecard oder der um die milliardenschweren sogenannten Cum-Ex-Geschäfte, die sich scheinbar weit weg vom Otto Normalbürger in den Chefetagen großer Konzerne abspielen, betreffen jeden Einzelnen von uns.