Deutsche Welle: Herr Dr. Zilkens, warum waren eigentlich waren die Dresdner Stücke nicht versichert?

Stephan Zilkens: Scheinbar wir sind so reich, dass wir eigentlich keine Versicherung brauchen. Der deutsche Staat befolgt das Prinzip der sogenannten Eigenversicherung, das gilt auch für die Bundesländer. Das heißt, die Summe aller Güter und Schäden kann nie so hoch sein wie der Einzelschaden.

Sagt der Staat…

Das sagt der Staat. Im Grunde genommen steht der Steuerzahler dahinter. Die Fiktion ist: Der Staat mit seinen gesamten Besitztümern ist reicher als der einzelne Schaden, der eintreten kann.

Aber das Bewusstsein, so reich zu sein, um sich nicht versichern zu müssen, bringt ja die geraubten Kunstgegenstände noch nicht zurück.

Es bringt weder die geraubten Kunstgegenstände zurück, noch macht es Mittel frei, um möglicherweise Ersatz in vergleichbarer Qualität zu schaffen. Wobei das für Dresden ausscheidet: Das war einfach einmalig, unwiederbringlich und ein Riesenverlust für die Menschheit.

Wenn es sich um Werke von Künstlern handelt, ist in der Regel immer mehr als ein Werk auf dem Markt, was man irgendwo noch erreichen kann. Man kann dann wenigstens die Sammlung in ihrem Grundgedanken erhalten und hat finanzielle Mittel, die dann nicht noch durch irgendwelche Haushalte oder politische Querelen durchmüssen. Was ja auch wieder ein Problem ist, weil nicht jeder zuerst an die Kultur denkt.

Kunstschätze im Grünen Gewölbe waren nicht versichert – wäre aber mögliche gewesen

Sie sprechen wie ein Museumschef…

Die deutschen Museen leben davon, dass ihnen die öffentlichen Haushalte Mittel zur Verfügung stellen. Die sind nur geringfügig gestiegen in den vergangenen Jahren. Wenn sie die Ankaufsetats mancher kommunaler Bereiche angucken, dann kommen ihm die Tränen. Ohne Fördervereine funktioniert da gar nicht. Das gilt auch für staatliche Ebenen. Insofern läuft der öffentliche Markt völlig außer Konkurrenz. Und wenn es zum großen Schadenereignis…