Die Europäische Union ist teils stark auf Lieferungen aus China angewiesen. »In 103 Produktkategorien, darunter Elektronik, Chemie, Minerale/Metalle und Arzneimittel/Medizin, besteht eine kritische Abhängigkeit von Importen aus China«, heißt es in einer Untersuchung des Berliner Mercator Institute for China Studies (Merics).

Besonders hoch sei die Abhängigkeit bei Vitamin B, wo der Importanteil 97,9 Prozent betrage, heißt es.

Beim Breitbandantibiotikum Chloramphenicol seien es 97,4 Prozent.

Auch in der Elektronikbranche sei die Abhängigkeit stark ausgeprägt. Viele Bausteine für Hightech-Produkte wie Leiterplatten oder Dioden würden aus China geliefert.

Europa sei insbesondere bei Komponenten im unteren Bereich der Wertschöpfungskette von China abhängig, sagt Merics-Chefökonom Max Zenglein. Warnungen, dass die EU insgesamt am Tropf von China hänge, seien jedoch überzogen. Unterm Strich sei die Präsenz chinesischer Unternehmen und Investitionen in Europa immer noch relativ gering, insbesondere im Vergleich zu amerikanischen Akteuren.

Außerdem sei die Volksrepublik auf ein gutes Verhältnis zu Europa angewiesen. »China würde unter schlechteren Beziehungen mit der EU leiden, die zu den größten ausländischen Investoren zählt und damit zahlreiche Arbeitsplätze schafft«, sagt Zenglein. »Zudem ist die EU für China ein wichtiger Markt und eine Quelle von dringend benötigtem technologischen Know-how.«

Die EU sollte sich daher in ihrer China-Politik nicht von überzogenen Ängsten vor der eigenen Verletzlichkeit leiten lassen, sondern sich auf ihre Stärken besinnen. »Es ist im Interesse Chinas und der EU, gegenseitige Abhängigkeiten bis zu einem bestimmten Grad aufrechtzuerhalten. Starke Verflechtungen können zwar zu politischen Zwecken ausgenutzt werden, aber oft auch Eskalation verhindern helfen.«

Europas größte Volkswirtschaft Deutschland ist besonders eng mit China verbunden. 48,5 Prozent der Exporte aus den 27 EU-Mitgliedsstaaten in die Volksrepublik…