Manche Nationalisten vereinnahmen sie als slawisch-sprachige Griechen. Andere als Südserben oder als Westbulgaren. Die Mazedonier hatten es in ihrer jungen Geschichte nie leicht, als eigene Nation mit eigener Sprache anerkannt zu werden. Bis heute gilt Mazedonien bei seinen Nachbarn Bulgarien, Griechenland und Serbien verbreitet als »Konstrukt« und »künstliche Nation«. 

Dass die »mazedonische Frage« – eine der politischen Schlüsselfragen in der Geschichte des Balkans – weit davon entfernt ist, nur noch von Historikern erforscht zu werden, beweist derzeit die bulgarische Regierung. Sie verlangt vom Nachbarland Nordmazedonien, dass es offiziell erklärt, die mazedonische Nation sei bulgarischen Ursprungs und die Sprache des Landes, das Mazedonische, ein westbulgarischer Dialekt. Solange die nordmazedonische Regierung dem nicht nachkommt, will Bulgarien nicht in den Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen mit dem Westbalkan-Land einwilligen. 

Ein grundsätzlicher Beschluss darüber sollte am Dienstag während eines Video-Gipfels der EU-Europaminister fallen. Doch Bulgarien hatte zuvor angekündigt, eine Entscheidung zu blockieren. Dabei blieb es auch. Die bulgarische Außenministerin Ekaterina Sachariewa erklärte dazu nach dem Gipfel knapp, Mazedonien erfülle die bulgarischen Bedingungen nicht. 

Missbraucht Bulgarien sein Vetorecht?

Nach dem Veto Ungarns und Polens gegen den EU-Haushalt beschert die bulgarische Blockadehaltung zu Nordmazedonien die Union in eine weitere Krise. Bulgarien schafft einen neuen Präzedenzfall in der Brüsseler Erweiterungspolitik – es setzt seine Geschichtsauffassung in grotesker Weise als politisches Mittel gegen ein Nachbarland ein. 

Dabei geht um mehr als nur um das Zwei-Millionen-Land Nordmazedonien, das längst alle technischen Voraussetzungen für EU-Beitrittsverhandlungen erfüllt. Es geht darum, wie Regierungen einzelner EU-Mitgliedsländer ihr Vetorecht für nationalistische innenpolitische Kampagnen missbrauchen. Damit…