Es ist eine Entscheidung mit kaum absehbaren Folgen: Die US-Regierung hat angekündigt, die Truppenstärke der US-Streitkräfte in Afghanistan bis Mitte Januar von 4500 Soldaten auf 2500 Soldaten zu reduzieren. 

Bei den NATO-Verbündeten löste das große Sorge aus. Der deutsche Außenminister Heiko Maas warnte vor „überstürzten Handlungen“. Die Bundesregierung sei insbesondere besorgt, was die US-Ankündigung für die eingeleiteten Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und der radikalislamischen Taliban bedeuten könnte. Die Gespräche seien schwierig genug und sollten nicht mit weiteren Hürden belastet werden, so Maas.

Taliban begrüßen Truppenrückzug

Auch die Bewohner der afghanischen Hauptstadt zeigten sich verunsichert. „Der Abzug ausländischer Soldaten wird dazu führen, dass die Taliban die Gewalt eskalieren werden“, sagte Fatima Safari der Nachrichtenagentur afp. Erfreut reagierten dagegen erwartungsgemäß die Taliban. Ein Sprecher bezeichnete die US-Ankündigung als „guten Schritt und im Interesse der Menschen in beiden Ländern.“

Die USA stellen derzeit mit Abstand den größten Teil der NATO-Truppe in Afghanistan, die vor allem die afghanischen Streitkräfte ausbildet. Die deutsche Bundeswehr ist mit gut 1200 Soldaten beteiligt und hat im Norden des Landes die Führungsrolle. Ohne die Amerikaner gilt eine Fortsetzung des Einsatzes als schwierig bis unmöglich.

Folgen werden „intensiv geprüft“

„Natürlich prüfen wir die Auswirkungen, die das für unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan hat, außerordentlich intensiv“, sagte Heiko Maas auf Nachfrage der DW. „Denn bei den Entscheidungen über unsere zukünftige Präsenz in Afghanistan sollten wir und müssen wir auch die Lage vor Ort im Blick behalten.“

Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan dauert schon 19 Jahre und ist der verlustreichste in der Geschichte der Truppe. 59 deutsche Soldaten kamen in Afghanistan ums Leben, der größte Teil von ihnen wurde bei Anschlägen oder in…