Iran macht sich mit der Wahl von Joe Biden zum nächsten US-Präsidenten große Hoffnungen auf eine Einigung im Atomstreit. »Herr Biden kennt die Außenpolitik weitaus besser als Trump«, sagte Außenminister Mohammed Javad Zarif in einem Interview der Tageszeitung »Iran«, die der staatlichen Nachrichtenagentur Irna gehört. Zudem sei der designierte US-Präsident auch gegen den Unilateralismus des jetzigen Amtsinhabers Donald Trump.

Eine Einigung im Atomstreit sei mit Biden »durchaus machbar«, sagte Zarif demnach. Er kenne Biden seit mehr als 30 Jahren und habe ihn auch während seiner eigenen Funktion als Uno-Botschafter (2002 bis 2007) in New York persönlich getroffen.

Der iranische Außenminister sieht durch Bidens Wahl eine realistische Chance auf eine Einigung mit dem künftigen US-Präsidenten im Streit über das iranische Atomprogramm. Sobald Biden entscheiden sollte, zum Wiener Atomabkommen aus dem Jahre 2015 zurückzukehren und es umzusetzen, werde die Führung in Teheran dies umgehend ebenfalls tun. »Das ist durchaus machbar und braucht weder Bedingungen noch Verhandlungen«, sagte Zarif. Ähnlich hatte sich zuvor auch Irans Präsident Hassan Rohani geäußert.

Trump war 2018 aus dem Atomdeal ausgestiegen. Das Abkommen sollte sicherstellen, dass Iran sein Atomprogramm nur mit einem niedrigen Urananreicherungsgrad und ausschließlich zu zivilen Zwecken nutzt und keine Atombombe bauen kann. Darüber hinaus hatte Trump auch neue Sanktionen gegen das Land verhängt. Als Reaktion ignorierte auch Iran schrittweise seine Verpflichtungen aus der Vereinbarung.

Die US-Sanktionen stürzten die islamische Republik in die schlimmste Wirtschaftskrise ihrer Geschichte, die durch die Corona-Pandemie noch weiter verschärft wurde. Sollten die Sanktionen aufgehoben werden, könnte auch der Ölexport als wichtigste Einnahmequelle Irans wieder anziehen.

Icon: Der Spiegel