Obwohl Bundesfamilienministerin Franziska Giffey nach Diskussionen um ihre Dissertation auf das Führen ihres Doktortitels verzichtet, prüft die Freie Universität Berlin die umstrittene wissenschaftliche Arbeit erneut. Wie die Universität mitteilte, solle nun untersucht werden, ob in der Abwägung nach Abschluss des ersten Prüfverfahrens die richtige Entscheidung getroffen worden sei. Dazu werde durch den zuständigen Promotionsausschuss des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften erneut ein Gremium eingesetzt, erklärte die Hochschule. Das Verfahren solle möglichst bis Ende Februar abgeschlossen werden.

Im Herbst 2019 hatte sich die Universität gegen eine Aberkennung des Doktortitels entschieden, Giffey aber eine Rüge erteilt. Nach mehreren kritischen Gutachten zu ihrem Vorgehen kündigte die Hochschule Anfang November dann aber an, neu über die Plagiatsvorwürfe zu entscheiden.

Die Familienministerin hatte am Freitag erklärt, sie verzichte auf das Führen ihres Doktortitels. Giffey hatte weitere Konsequenzen ausgeschlossen. Sie will an ihrer Kandidatur für den Berliner SPD-Landesvorsitz am Ende November festhalten. Es wird erwartet, dass sie auch Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2021 wird.

Die CDU-Spitze hatte nach dem Verzicht der SPD-Ministerin auf das Führen ihres Doktortitels auf eine Fortsetzung des Prüfverfahrens gepocht. »In der Causa Giffey ist im Interesse der Integrität unseres Wissenschaftssystems eine abschließende Überprüfung und Bewertung unerlässlich«, sagte die Vorsitzende des CDU-Bundesfachausschusses Bildung, Forschung und Innovation, Karin Prien, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

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