Zum Schutz vor dem Coronavirus sollen Ministerien und Behörden des Bundes ihren Mitarbeitern für Dienstreisen zwei Plätze buchen können – damit der Nebenplatz frei bleibt. Der Haken: Das ist laut Bahn so nicht möglich. Den Beförderungsbedingungen zufolge erlischt der Anspruch auf einen Sitzplatz 15 Minuten nach Abfahrt, wenn der Platz nicht eingenommen wird. Das gilt ausdrücklich nicht nur für Reservierungen, sondern auch beim Kauf einer zweiten Fahrkarte.

Laut einem Schreiben des Bundesinnenministeriums vom 12. November, das dem SPIEGEL vorliegt, sollen Mitarbeiter der Ministerien und anderer Bundesbehörden nur noch Dienstreisen antreten, die absolut notwendig sind. Um einen größeren Abstand zu Mitreisenden zu wahren, könne sowohl im Flugzeug als auch bei Bahnfahrten ein zusätzlicher Nachbarplatz gebucht werden. Die Kosten werden vom jeweiligen Dienstherrn erstattet, die Regel soll zunächst bis zum 31. März gelten. Zuerst hatte die »Süddeutsche Zeitung« über das Schreiben berichtet.

Das Bundesinnenministerium verteidigte die neuen Dienstreise-Regeln gegen Kritik. Diese »entsprechen dem Ziel der Bundesregierung, die Kontakte in größtmöglichem Umfang zu reduzieren und die allgemein geltenden Abstandsregeln von 1,50 Meter – soweit möglich – umzusetzen«, teilte ein Sprecher mit.

Scheuer gegen Doppelbuchung

Dass das Innenressort die Buchung eines weiteren Platzes ermöglichen will, passt jedoch nicht so recht zu wiederholten Aussagen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), wonach Züge keine Corona-Hotspots seien. Auch eine Reservierungspflicht für Reisende, die in anderen Ländern überfüllte Züge verhindert, lehnt Scheuer ab.

Sein Ministerium stellte am Dienstag klar, dass es keine Doppelbuchungen für seine Mitarbeiter plant: Man beabsichtige nicht, diese »Kann-Regelung« anzuwenden. Entsprechende Anfragen von Beschäftigten seien bisher abgewiesen worden, »da Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln kein erhöhtes Infektionsrisiko…