US-Notenbankchef Jerome Powell rechnet trotz der jüngsten Durchbrüche bei Corona-Impfstoffen mit einer länger anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche in den USA. Die Konjunktur habe bis zur vollständigen Erholung von der Corona-Pandemie »noch einen langen Weg vor sich«, sagte Powell. Seiner Einschätzung nach könnten die kommenden Monate »sehr herausfordernd sein«. Fiskalische und geldpolitische Unterstützung seien weiter nötig.

Die USA werden derzeit besonders stark von einer zweiten Infektionswelle in der Corona-Pandemie getroffen. Seit geraumer Zeit steigt die Zahl der Neuinfektionen ungebremst, während die Zahl der Neuinfektionen in Europa zuletzt wieder gesunken ist. Am Dienstag hatten die CDC-Seuchenzentren bekannt gegeben, dass die Zahl der registrierten Corona-Infizierten in den USA die Schwelle von elf Millionen überschritten hat.

Es sei zwar weiter davon auszugehen, dass die konjunkturelle Erholung mit einem »soliden« Tempo verlaufen werde, sagte Powell nun. Allerdings bestehe die Gefahr, dass die Erholung an Schwung verlieren könnte. Besonders kurzfristig.

Einmal mehr versicherte Powell, dass die Fed fest entschlossen sei, »so lange wie notwendig alle ihre Werkzeuge zu benutzen«, um die Wirtschaft zu stützen. Der Leitzins in den USA liegt derzeit bereits an der Nullmarke, und die Notenbank kauft schon Wertpapiere in einem Volumen von 120 Milliarden Dollar pro Monat. Mitte Dezember soll über weitere Schritte entschieden werden.

Einige Indikatoren deuten tatsächlich auf eine verlangsamte Erholung der US-Wirtschaft hin. Die US-Einzelhandelsumsätze stiegen laut Census Bureau im Oktober nur noch um 0,3 Prozent, nachdem sie im Vormonat um 1,6 Prozent zulegten. Staatliche Hilfe ist derzeit nicht in Sicht. Republikaner und Demokraten streiten im Kongress weiter über ein Billionen-Dollar-Konjunkturpaket.

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