„Wir taten nichts, absolut gar nichts, waren faul wie die Waschbären“, berichtet der ältere Herr in einem Video, das die Bundesregierung unter dem Hashtag #besonderehelden jüngst auf Twitter verbreiten ließ. Der Mann blickt aus einer fiktiven Zukunft zurück in den Herbst 2020. Dann der Umschnitt: Der Film zeigt ihn nun als jungen Mann, der auf dem Sofa liegend Chips und Cola konsumiert. Die Stimme erzählt weiter: „Tage- und nächtelang blieben wir auf unserem Arsch zu Hause und kämpften gegen die Ausbreitung des Coronavirus.“ In einem weiteren Clip schwärmt der fiktive Charakter mit dem Namen Anton Lehmann von seiner Zeit vor der Spielekonsole während des Lockdowns.

Zuhause bleiben, Essen, Passivität – das sind einige der Lösungsvorschläge der Regierung, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Vermittelt werden sollen diese auf ironische Weise in den kurzen Videos. Dabei könnte das dargestellte Verhalten auf Dauer die Risikogruppe, die Gesundheitsminister Jens Spahn Anfang November auf 30 bis 40 Millionen Menschen allein in Deutschland bezifferte, noch vergrößern. Das Robert-Koch-Institut (RKI) rechnet dieser Gruppe vor allem ältere Personen zu, aber auch Menschen mit Herzkreislauferkrankungenoder Diabetes, sowie Fettleibige (Adipositas) und Raucher.

„Bewegungsarmut ist kontraproduktiv“

Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln erklärt im Gespräch mit der DW, dass diese Gruppe durch die Lockdown-Maßnahmen sogar um bis zu zehn Prozent anwachsen könnte: „Allein in Deutschland sterben jährlich 50.000 bis 60.000 Menschen an den Folgen von Diabetes Typ 2.“ Häufig sei diese typische Zivilisationskrankheit laut Froböse unter anderem auf Bewegungsmangel zurückzuführen. „Da würde ich mir Konzepte wünschen, statt diese Menschen jetzt durch Bewegungsarmut und Isolation in diese Situation hineinzutreiben. Das ist absolut kontraproduktiv.“

Das Sporttreiben ist in Deutschland seit dem 2. November nur noch…