Das Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe steht seit dem Ausstieg der USA 2018 auf der Kippe. Wie es sich nach dem Machtwechsel in Washington entwickelt, ist noch unklar. Für das Sicherheitsgefüge der Region wird das Thema immer dringender.

Das Atomabkommen mit dem Iran sei bislang „das zentrale Hindernis gegen die Nuklearisierung des Nahen Ostens“, sagt Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen im DW-Interview. Er sagt, das Atomabkommen helfe nicht nur eine iranische Bombe zu verhüten, sondern unterdrücke auch die Ambitionen anderer Länder, eine Atombombe zu bauen. „Deshalb haben die Hardliner auf beiden Seiten des Golfs alles dran gesetzt, das Abkommen zu kippen.“

Atomwaffen in Saudi Arabien: „Definitiv eine Option“

Genau das scheint jetzt das Problem. Sollte der Iran die Atomkraft militärisch nutzen, droht ein Domino-Effekt. Aktuell hat sich Saudi-Arabien genau zu dem Thema geäußert. Man behalte sich eine atomare Bewaffnung für den Fall vor, dass eine iranische Atombombe nicht verhindert werden kann, sagte der saudische Staatsminister für Auswärtiges, Adel al-Dschubair, der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist definitiv eine Option.“ Wenn der Iran zur Nuklearmacht werde, würden andere Länder folgen. Saudi-Arabien habe „sehr klar gemacht, dass es alles tun wird, was möglich ist, um seine Bevölkerung zu schützen und um sein Staatsgebiet zu schützen“, sagt der Staatsminister des Landes, das am Wochenende auch Gastgeber des G-20 Gipfels ist.

Die iranische Atomanlage Natanz, in der Uran angereichert wird

Wenn das Atomabkommen mit dem Iran nicht mehr wirkungsvoll ist, kann das sensible Sicherheitskonstrukt in der Golfregion aus den Fugen geraten. Omid Nouripur hofft, dass Deutschland das Thema gemeinsam mit der neuen Administration in Washington bald entschärfen kann. Europa müsse zusammen mit der Biden-Administration das Atomabkommen retten, sagt der Grünen-Politiker. Alles andere führe zu Atomwaffen in unmittelbarer europäischer…