Peter Liese steht an einem sonnigen Mittwoch im November vor einer Rettungsleitstelle in Meschede im Sauerland und erinnert an eine Figur aus einem Katastrophenfilm: Mund und Nase sind hinter einer Atemschutzmaske versteckt, vor dem Gesicht hängt ein Plastikvisier. Liese, Arzt und Europaabgeordneter, trägt einen Schutzanzug, der wie ein im Wind flatternder Müllbeutel aussieht.

Die Corona-Neuinfektionszahlen steigen in diesen Tagen in Europa. Schon im März hatte sich Liese erstmals seit Jahren wieder den Kittel übergestreift und in einer Praxis in Meschede mitgearbeitet. Jetzt hilft er in einem Drive-in-Testzentrum seiner Heimatstadt aus.

Peter Liese, 55, ist so etwas wie der Karl Lauterbach Brüssels. Wie der SPD-Gesundheitsexperte im Bundestag ist auch Christdemokrat Liese im Europaparlament dank seiner medizinischen Fachkenntnis zum gefragten Gesprächspartner avanciert. Vor Corona war er in Deutschland vor allem als Vorkämpfer für die Abschaffung der Zeitumstellung bekannt.

Nun aber gibt Liese fast täglich seine Kommentare ab. Etwa zum Durchbruch der Pharmafirmen Biontech und Pfizer bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs: „Ein Riesenerfolg für die europäische Forschungspolitik“, sagte Liese. Die EU habe die Entwicklung ja aus mehreren Töpfen mitfinanziert.