Die Woche hatte für den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro schon nicht besonders gut begonnen. Kurz nachdem die Niederlage von Bolsonaros engem Verbündeten Donald Trump bei der US-Wahl feststand, klagten Staatsanwälte in Rio de Janeiro einen seiner Söhne an. Wenig später rüffelten ihn dann einige der ranghöchsten brasilianischen Militärs, weil er sich gegenüber Trumps gewähltem Nachfolger Joe Biden krass im Ton vergriffen hatte. Wenn einem die Worte ausgehen, muss Schwarzpulver her, hatte Bolsonaro gedroht, weil er Bidens Forderung nach einem besseren Schutz des Amazonas als Einmischung in seine Souveränität versteht.

Als wäre all das nicht genug, hielt diese Woche aber noch eine besondere Pointe bereit. Als am vergangenen Sonntag Tausende brasilianische Kommunen neue Bürgermeister wählten, spielten die von Bolsonaro unterstützten Kandidaten landesweit so gut wie keine Rolle. In wichtigen Städten wie São Paulo oder Belo Horizonte schafften sie es nicht einmal in die Stichwahl. In Rio de Janeiro gelang dies zwar dem evangelikalen Amtsinhaber Marcelo Crivella, aber seine Chancen auf weitere vier Jahre im Amt sind äußerst gering.

Dies kommt insofern überraschend, als Bolsonaros Name vor zwei Jahren noch ein anderes Gewicht hatte. 2018, im Jahr der Präsidentschaftswahl, waren in seinem Windschatten zahllose zuvor unbekannte Politiker ins Parlament, in den Senat oder auf Gouverneursposten gewählt worden. Outsider, die aus dem Militär, der Polizei oder der Justiz kamen und deren wichtigster und oftmals einziger Trumpf damals die Unterstützung Bolsonaros war.   

Die Entmystifizierung des Präsidenten

Dies ist also die Botschaft, die trotz aller lokalen Besonderheiten von diesen Wahlen ausgeht: Bolsonaro hat an Strahlkraft verloren. Keinem der 78 Stadtratskandidaten, die landesweit mit dem geliehenen Nachnamen Bolsonaro angetreten waren, ist es gelungen, einen Sitz zu erobern. Es sieht so aus, als habe in den letzten Monaten eine Entmystifizierung…