Er könne sich nicht dazu durchringen, es seinen Nachbarn nachzutun, sagt Aram Petrosian: »Meine Hand vermag es einfach nicht.«

Der armenische Lehrer wohnt in der Provinz Kelbadschar, die nach dem verlorenen Krieg in Bergkarabach an Aserbaidschan übergeben wird. Viele der fliehenden Bewohner zünden ihre Häuser an, um dem Feind nichts zu überlassen.

Aram Petrosian bringt das nicht übers Herz, aber er hat zumindest mitgenommen, was er konnte. Möbel, Regenrinnen, Türen und Kisten voller Geschirr stapeln sich auf der Ladefläche seines GAZ-Lasters aus sowjetischer Produktion. »Es ist bereits die zweite Fuhre«, sagt der 49-Jährige, »der Rest unserer Sachen ist schon drüben.«

»Was jetzt werden soll, wissen wir nicht«

Drüben – das ist jenseits der Passstraße auf dem Gebiet der Republik Armenien, wohin nun Tausende Landsleute aus der Provinz Karabach geflohen sind. Aram Petrosians Familie hat in Artik Unterschlupf gefunden, einem kleinen Ort im Nordwesten.

Petrosian ist wütend, wütend auf die Russen, die seiner Meinung nach den Armenier im Konflikt mit Aserbaidschan nicht genügend beigestanden hätten, und auf die Aserbaidschaner sowieso, »das sind ja gar keine Menschen«.

Der Hass, der aus den Worten des Pädagogen spricht, gärt seit dem Zerfall des Zarenreichs vor hundert Jahren und ist mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den Neunzigerjahren eskaliert. Beide Seiten, Armenier und Aserbaidschaner, stehen sich in tiefer Abneigung gegenüber. Und überschütten sich mit Vorwürfen. Der nun von Aserbaidschan gewonnene Krieg ist bloß die jüngste, aber wohl kaum die letzte Episode dieser Feindschaft.

Petrosian betritt ein letztes Mal sein Zuhause. Auf dem Boden steht Wasser, es tropft von der Decke. »Wir haben die Leitungen und Tanks demontiert«, erklärt er, füllt sich ein großes Glas mit Maulbeerwodka ein und stürzt es herunter: »Das hilft, zumindest ein bisschen.«

Im Dorf Nor Erkej haben die Petrosians lange in einer bescheidenden Hütte gehaust, sechs…