Im Konflikt mit der Führung der Region Tigray hat Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed eine finale Militäroffensive angekündigt. Eine dreitägige Frist, die den Kräften in Tigray für eine Kapitulation gegeben worden sei, sei an diesem Dienstag abgelaufen, schrieb der Ministerpräsident auf Facebook. „Die endgültige und wichtige Strafverfolgungs-Operation wird in den kommenden Tagen erfolgen.“

Mekelle, die Hauptstadt der Region Tigray

Tatsächlich griff die äthiopische Luftwaffe erneut Ziele in der nördlich gelegenen Region an. Es sei ein „präzise geführter Einsatz“ außerhalb von Mekelle, der Hauptstadt Tigrays, gewesen, teilte das Militär mit. Abiy hatte am 4. November Luftangriffe und eine Offensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die Rebellengruppe und Regierungspartei der nördlichen Region, begonnen. Dabei wurden schon hunderte Menschen getötet, rund 25.000 sind allein in den Sudan geflohen. Am Wochenende eskalierte die Situation, als die TPLF das Nachbarland Eritrea mit Raketen beschoss.

Internet, Telefon und Strom gekappt

Über die Lage vor Ort ist wenig bekannt, da Internet, Telefonverbindungen und Strom gekappt und Straßen blockiert sind. Hilfsorganisationen warnen inzwischen vor einer humanitären Krise. International häuften sich zuletzt Forderungen an die Konfliktparteien, an den Verhandlungstisch zu treten. Kenias Präsident Uhuru Kenyatta rief erst am Montag die Regierung Äthiopiens und die TPLF auf, „friedliche Mittel“ zu finden, um die Krise zu beenden.

Flüchtlinge aus Tigray im ostsudanischen Bundesstaat Al-Qadarif

Die TPLF war die dominierende Partei in der Parteienkoalition, die Äthiopien mehr als 25 Jahre lang mit harter Hand regierte. Doch als Abiy 2018 an die Macht kam, brachte er Reformen auf den Weg, entfernte Funktionäre der alten Garde und gründete eine neue Partei. Der neuen Regierungskoalition trat die TPLF nicht bei. Diese und viele der rund fünf Millionen Bewohner von Tigray fühlen sich von der…