Der 15. November ist der Tag des inhaftierten Schriftstellers. 1960 gründete derInternationale PEN-Club das Writers in Prison Committee (WiPC), das verfolgte oder inhaftierte Autoren und Journalisten in aller Welt betreut. Ralf Nestmeyer, Präsident des PEN-Clubs, erklärt im DW-Interview, warum die Arbeit weltweit immer schwieriger wird.

DW: Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht, wird aber in vielen Ländern mit Füßen getreten. Hat sich an dieser Situation etwas geändert?

Ralf Nestmeyer:Also besser wird es definitiv nicht. Es bleibt bei ähnlich schlechten Zuständen in vielen Ländern wie in den letzten Jahren. Tendenziell habe ich das Gefühl, aber das kann man statistisch nicht so absolut belegen, weil eben in verschiedenen Ländern die Demokratie erodiert und andere Probleme auftreten, bei denen die Meinungsfreiheit nichts zählt. Es gibt Länder, die sind schon immer ganz unten auf der Skala der Meinungsfreiheit, zum Beispiel Nordkorea.  Knapp darüber kommt Eritrea. Also, da ist eine gewisse Konstante seit über zehn Jahren.

In den anderen Rankings verändert sich ein bisschen was. Also, die Türkei ist in den letzten drei, vier Jahren deutlich schlechter geworden und verharrt jetzt bei diesem schlechteren Zustand. Es ist ja auch bekannt, dass sie sehr viele Journalisten und Autoren in der Türkei inhaftiert haben. Darunter bekannte Namen wie z.B. Ahmet Altan, der ein Ehrenmitglied vom Deutschen PEN Zentrum ist, und der seit 1500 Tagen hinter Gittern sitzt.

Wie können Sie abschätzen, wie es den Schriftstellerinnen und Künstlerinnen weltweit geht?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Zum einen gibt es vom internationalen PEN eine sogenannte Case-List. Die wird alljährlich herausgegeben. Da sind Fälle dokumentiert, wo eben Schriftsteller inhaftiert oder anderen Restriktionen ausgesetzt sind. Aber es gibt auch ganz viele Fälle, da kriegt man gar nichts mit.

Ein Beispiel ist China, das ist in gewisser Weise ein dunkles Loch für uns. Selbst Amnesty International…