Große Pläne haben die Forscher des US-Unternehmens Moderna schon lange: Sie wollen »die Software des Lebens umschreiben«, Einfluss nehmen »auf das Betriebssystem der Biologie« und »nicht nur Medikamente entwickeln, sondern eine neue technologische Plattform bauen«. So hat es Stephane Bancel, der Vorstandschef, in verschiedenen Interviews mit dem SPIEGEL in den vergangenen Jahren immer wieder gesagt. An diesem Montag nun verkündete Moderna, sein Corona-Impfstoff habe eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent.

Nach dem Mainzer Unternehmen Biontech hat damit ein zweiter, relativ kleiner Biotechnologie-Konzern in Rekordzeit einen offenbar hochwirksamen Impfstoff entwickelt – zumindest nach vorläufigen Ergebnissen. Wie Biontech arbeitet auch Moderna mit einer bislang noch unerprobten, revolutionären Technologie: mRNA. Das Molekül dient als Bote, der Bauanleitungen zwischen dem Erbgut der Zellen und den Proteinfabriken der Zellen transportiert. Wer mRNA synthetisieren und in die Zellen transportieren kann, hat direkten Einfluss auf das, was im Körper passiert.

Anders als Biontech ist Moderna jedoch schon seit vielen Jahren ein Star der Pharmawelt, wurde früh mit Geld überschüttet. Die Amerikaner sammelten fast zwei Milliarden Dollar Wagniskapital ein und legten vergangenes Jahr den größten Biotech-Börsengang aller Zeiten hin. 

Und während Biontech sich vor der Coronakrise vor allem auf neue Krebs-Therapien konzentriert hatte, war das Ziel der US-Forscher von Beginn an, eine neue Medikamentenklasse zu entwickeln: »Entweder das hier wird weltbewegend oder ein Desaster«, kündigte Bancel 2017 bei einem Treffen in der Firmenzentrale in Cambridge, Massachusetts, an: Wenn es nicht funktioniert, gebe es gar keine neue Therapie. Wenn aber eine Therapie funktioniere, indem man die mRNA für sich nutzbar machen kann, werde es sehr viele Therapien geben. Denn wer einmal herausgefunden hat, wie die Software zu programmieren ist, kann sie ständig anpassen: »Statt Nullen…