Das Unterschriften-Zeremoniell haben sich die Organisatoren des virtuellen Freihandelsgipfels von Hanoi offenbar bei Donald Trump abgeschaut: Sobald die 15 Regierungschefs und Minister aus Asien und Ozeanien das Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) signiert haben, sollen sie die Mappe mit der Signatur in die Webcam halten – ähnlich wie es der Noch-US-Präsident so gerne zelebriert.

Nacheinander unterschreiben sie die beiden vor ihnen liegenden Blätter: die Herren in Tokio, Canberra oder Peking, die Damen in Wellington oder Seoul. Bei jedem In-die-Kamera-halten werden sie beklatscht von den anderen Teilnehmern der Videokonferenz. Sie haben Großes vereinbart. Zumindest auf dem Papier. Auch dank Donald Trump.

15 Staaten, von Australien über China, Japan und Südkorea bis Vietnam, haben sich am Sonntag auf das größte Handelsabkommen in der Geschichte des asiatisch-pazifischen Raums geeinigt. 2,2 Milliarden Menschen leben in dem neuen Handelsblock. Sie produzieren mehr als 30 Prozent der Weltwirtschaftsleistung – und hatten vor der Coronakrise einen Anteil von 29 Prozent am globalen Handelsvolumen.

Bald könnte die neue Freihandelszone so groß sein wie der EU-Binnenmarkt. Größer als die Volkswirtschaften USA, Mexiko und Kanada, die durch den Nafta-Nachfolger USMCA miteinander verbunden sind.

Und während die USA außen vor sind, ist China mittendrin.

Die Machthaber in Beijing zelebrieren RCEP als Triumph. Obwohl nicht sie damals vor acht Jahren die Verhandlungen initiiert hatten, sondern die südostasiatischen ASEAN-Staaten.

Aber es ist das erste Freihandelsabkommen, das China mit Japan und Südkorea eingeht, den beiden anderen großen Volkswirtschaften der Region. Und obendrauf einigt sich die kommunistische Volksrepublik auch noch mit Rohstofflieferanten wie Australien auf gemeinsame Regeln. All das geschieht inmitten der Covid-Pandemie, ungeachtet historischer Spannungen und tagespolitischer Konflikte.

„China nutzt das Vakuum, das die USA…