Anja Kampmann, geboren 1983, studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und machte sich mit Lyrik und Gedichtbänden einen Namen. „Wie hoch die Wasser steigen“ über eine Männerfreundschaft auf Ölbohrinseln ist ihr Debütroman, für den sie bereits den Lessing-Förderpreis sowie den Mara-Cassens-Preis erhielt. Die englischsprachige Übersetzung ist nun für den US-amerikanischen Literaturpreis „National Book Awards“ nominiert, der am 18. November vergeben wird.

Deutsche Welle: In Ihrem Debütroman erzählen Sie die Geschichte eines Wanderarbeiters, der ruhelos von einer Ölbohrinsel zur nächsten anheuert. Wieso wählten Sie gerade das offene, raue Meer?

Anja Kampmann: Ich habe mich schon immer gefragt, was da draußen eigentlich passiert. In vielen Erzählungen gibt es diese alte Sehnsucht nach der Freiheit der Weltmeere – in meiner Familie wurde das auch so weitergegeben, ich stamme aus Hamburg, mein Urgroßvater war Kapitän auf Segel- und später Dampfschiffen. Das hat mich immer fasziniert. Wenn man aber den Arbeitern da draußen folgt, heutzutage, erfährt man allerdings eine ziemliche Desillusionierung. Die Freiheit der Weltmeere wird auf einer Ölbohrplattform quasi ad absurdum geführt.

Die Arbeit auf Hoher See ist wohl die extremste Art der Migrationsarbeit. Fernab und unerreichbar wie auf dem Mond – so unwirtlich liest es sich auch in Ihrem Buch.

Auf dem Mond arbeiten – das ist eigentlich schön gesagt. Das war tatsächlich auch eine Sache, die mir sehr wichtig war. Meine Hauptfigur Waclaw ist seit zwölf Jahren da draußen und letztlich vollkommen entrechtet. Man nimmt ihm sogar das Recht zur Trauer und auch das Recht, sich überhaupt menschlich darüber zu äußern, dass es einen Verlust gegeben hat …

…der Ausgangspunkt in „Wie hoch die Wasser steigen“. Während einer stürmischen Nacht wird ein Mann vermisst, der Ungar Matyás, der beste Freund Ihrer polnisch-deutschen Hauptfigur Waclaw.

Die beiden haben jahrelang alles geteilt und ihre…