Im ersten Band seiner Erinnerungen an die Präsidentschaft beschreibt Barack Obama seinen Werdegang, seinen Wahlkampf und seine erste Amtszeit im Weißen Haus. Das Buch erscheint am 17. November. In dem hier in Auszügen vorab veröffentlichten Kapitel beschreibt Obama einen Staatsbesuch in Brasilien 2011, auf den er seine Familie mitgenommen hatte – und wie er von dort aus den amerikanischen Streitkräften befahl, den Libyenfeldzug gegen Muammar al-Gaddafi zu starten. Im zweiten Teil des Kapitels beschreibt Obama sein schwieriges Verhältnis zu den Republikanern – und erinnert sich daran, wie Donald Trump seine politische Karriere startete: mit Lügen über Obamas Geburtsort.

In den folgenden zwei Tagen setzten wir den Staatsbesuch weitgehend wie geplant fort, sogar als amerikanische und britische Kriegsschiffe begannen, Tomahawk-Marschflugkörper abzufeuern und libysche Luftabwehrstellungen zu zerstören. Ich traf mich mit einer Gruppe amerikanischer und brasilianischer Firmenchefs, um mit ihnen über Möglichkeiten zur Intensivierung der Handelsbeziehungen zu sprechen. Ich nahm an einem Cocktailempfang mit Regierungsvertretern teil und ließ mich mit amerikanischen Botschaftsmitarbeitern und ihren Familien fotografieren.

In Rio de Janeiro hielt ich vor zweitausend prominenten Brasilianern aus Politik, Zivilgesellschaft und Geschäftswelt eine Rede über die Herausforderungen und Chancen, denen sich unsere Länder als die zwei größten Demokratien Amerikas gegenübersahen. Aber nebenher erkundigte ich mich immer wieder bei Tom (dem Nationalen Sicherheitsberater Thomas Donilon –Red.) nach den neuesten Berichten aus Libyen und stellte mir die Szenen vor, die sich fast neuntausend Kilometer entfernt abspielten: das Rauschen von durch die Luft sausenden Raketen, die Kaskade von Explosionen, Trümmer und Rauch, die Gesichter von Gaddafis Gefolgsleuten, die den Himmel nach Gefahren absuchten und ihre Überlebenschancen einschätzten.

Ich war abgelenkt, aber mir war klar,…