Während sich erneut Hunderte Anhänger der „Querdenken“-Bewegung in mehreren deutschen Städten versammelt haben und gegen staatlich vorgeschriebene Corona-Maßnahmen auf die Straße gingen, warnt Niedersachsens Verfassungsschutzpräsident Bernhard Witthaut vor einer fortschreitenden Radikalisierung der Anti-Corona-Politik-Bewegung. Er schließe auch weitere Anschläge aus diesen Reihen nicht aus, sagte er.

Der Protest richte sich zunehmend nicht mehr gegen einzelne Regeln zur Einschränkung der Pandemie, sondern gegen eine vermeintliche Corona-Diktatur, sagte Witthaut der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Dabei würden „offen Umsturzfantasien gegen die deutsche Regierung propagiert“. Es finde eine Radikalisierung durch Verschwörungstheorien statt.

Einzelne schreckten schon jetzt nicht mehr vor Anschlägen zurück, wie ein Brandanschlag auf das Robert-Koch-Institut und eine Sprengstoffexplosion in Berlin-Mitte samt entsprechendem Bekennerschreiben gezeigt hätten. Witthaut sagte: „Ich will nicht ausschließen, dass es weitere Anschläge gibt, was ich allerdings nicht hoffe.“ Für einen Anti-Corona-Terror sehe er bislang noch keine Anhaltspunkte, aber es gebe in der Bewegung ein entsprechendes Radikalisierungspotenzial. Die Entwicklung müsse genau im Blick behalten werden, „bevor Schlimmeres passiert“.

Zuvor hatte Hamburgs Verfassungsschutzchef Torsten Voß in einem Interview mit dem SPIEGEL gesagt, man schaue sich „sehr genau an, ob hier eine extremistische Bewegung entsteht“. Voß befürchtet eine Radikalisierung der Corona-Demonstrationen und ist besorgt über die steigende Gewaltbereitschaft.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte, dass sich der Verfassungsschutz intensiver mit den „Querdenker“-Demonstranten beschäftigen solle. „Wir haben in Deutschland anfangs die Reichsbürger unterschätzt und dann erlebt, wie aus einer völlig absurden Idee eine ernsthafte Gefahr für den Staat und das Leben entstehen kann“, sagte er und warnte vor einer aus seiner…