Ammoniak ist ein farbloses Gas, das weltweit in solch großen Mengen produziert wird wie kaum eine andere Chemikalie. Ein internationales Industriekonsortium will ihm jetzt eine Farbe geben: Grün soll es werden.

Der US-Gashersteller Air Products und der Kraftwerksbetreiber ACWA Power aus Saudi-Arabien sowie das dortige Königshaus planen, ab 2025 in der saudischen Wüste klimaneutrales Ammoniak zu produzieren. Fünf Milliarden US-Dollar wollen sie investieren.

Ammoniak wird beim Klimaschutz häufig übersehen – obwohl es doch erheblich zur Erderwärmung beiträgt. Dessen Produktion ist für etwa drei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Chemiekonzerne verwenden Ammoniak vor allem als Grundstoff für Düngemittel.

„Ammoniak wird heute in erster Linie auf Basis von Erdgas, aber auch mit Kohle und Öl produziert“, sagt Florian Nigbur von der Universität Duisburg-Essen. Aus den fossilen Energieträgern gewinnen die Hersteller Wasserstoff (chemisches Symbol: H). Den Wasserstoff lassen sie dann mit Stickstoff (N) aus der Luft im so genannten Haber-Bosch-Verfahren zu Ammoniak (NH3) reagieren.

Das saudisch-amerikanische Konsortium will den nötigen Wasserstoff dagegen klimaneutral per Elektrolyse mit Wind- und Solarstrom produzieren. Dabei wird Wasser unter Strom gesetzt, sodass sich die Sauer- und Wasserstoffmoleküle voneinander trennen.

Ammoniak als Kraftstoff für den Schiffsverkehr

Das grüne Ammoniak aus der Wüste soll jedoch zunächst nicht für die Produktion von Düngemitteln verwendet werden, sondern fossile Kraftstoffe im Verkehr ersetzen.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgen Forscher aus Industrie und Wissenschaft im Projekt „Campfire“, das vom Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technology in Greifswald geleitet wird. Sie arbeiten derzeit unter anderem an einer kleinskaligen Ammoniak-Produktionsanlage, die auf den dezentralen Einsatz von Ökostrom zugeschnitten ist.

Verwendet werden soll das Ammoniak zunächst als Kraftstoff im Schiffsverkehr. „Wir…