Eine gefühlte Ewigkeit hatte die Freie Universität (FU) die Doktorarbeit von Franziska Giffey geprüft, um es dann bei der lauwarmen Form einer Rüge zu belassen. Nun geht es wieder von vorne los, am Ende soll es diesmal aber heißen: hopp oder top.

Giffey hat auf diesen universitären Schlingerkurs am Freitag sowohl taktisch als auch emotional kalkuliert reagiert.

Sie verzichtet künftig auf das Führen ihres Titels, egal wie die neuerliche Prüfung ausgeht. Und sie nimmt die Entscheidung der FU persönlich. „Wer ich bin und was ich kann, ist nicht abhängig von diesem Titel. Was mich als Mensch ausmacht, liegt nicht in diesem akademischen Grad begründet.“ 

Die Vergangenheit verheißt nichts Gutes

In Wahrheit geht es natürlich nicht um Giffeys Menschsein, sondern um ihre Karriere – und um die Zukunft der (Berliner) SPD. Ende November will sich Giffey zur Landesvorsitzenden wählen lassen, im Herbst 2021 will sie wohl Regierende Bürgermeisterin werden. Und sollte das gelingen, wäre sie unter den verbliebenen SPD-Ministerpräsidenten die Nummer eins – mit allen bundespolitischen Folgen.

Es ist nicht klar, ob Giffey gut aus der Sache mit der Dissertation rauskommt. Oder besser: Ob ihre Partei sie da rauskommen lässt. Die Vergangenheit zumindest verheißt nicht Gutes, erinnern wir uns etwa an den Fall des Karl-Theodor zu Guttenberg.

Doch es gibt eben auch Unterschiede. Guttenberg übte sich vor neun Jahren zwar ebenfalls in Vorwärtsverteidigung, verzichtete ebenfalls auf das Führen seines Titels – aber alles entschied sich innerhalb weniger Wochen. Zum Zeitpunkt seines Rücktritts war Guttenberg der Titel bereits aberkannt, seine unzähligen Plagiate waren allzu offensichtlich.

Bei Giffey liegt der Fall etwas anders. Ihre Universität hat geprüft und prüft nun wieder. Das Verfahren kann so oder so ausgehen, sonst müsste man ja nicht mehr prüfen. Deshalb sind Rücktrittsforderungen zum jetzigen Zeitpunkt überzogen.

Nur: Giffey geht es ja bekanntlich um mehr als das…