Sie sitzen an der Hafenmauer, ohne Obdach oder Schutz vor der stechenden Sonne: Auf den Kanarischen Inseln sind allein am vergangenen Wochenende mehr als 2188 Flüchtlinge angekommen.

Die Behörden auf den Inseln sind überfordert. Rund 2000 Flüchtlinge mussten die Woche über am Kai im Hafen Arguineguín auf Gran Canaria übernachten. Dort haben Behörden und Hilfsorganisationen ein provisorisches Camp aufgebaut, das nur 500 Menschen Platz bietet. Einige spanische Medien schreiben vom „Kai der Schande“.

Die Bedingungen respektierten weder die Menschenwürde noch die Grundrechte der Geflüchteten, heißt es in einem Bericht von Human Rights Watch. Die Bedingungen seien „ziemlich schrecklich“. Nachweislich mit Covid-19 infizierte Menschen hätten beim Warten auf den Transfer mit den anderen Geflüchteten leben müssen – ohne Chance, sich zu isolieren.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass die Kanaren sich zu einem zweiten Lampedusa oder Lesbos für Migranten entwickeln.“

Román Rodríguez, Vizepräsident der Kanaren

Einheimische fürchten, dass das notdürftige Camp direkt am Hafen zu einer Dauerlösung werden könnte. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Kanaren sich zu einem zweiten Lampedusa oder Lesbos für Migranten entwickeln“, sagt Román Rodríguez, Vizepräsident der Kanaren.

Innenminister Fernando Grande-Marlaska hat inzwischen angekündigt, dass die Migrantinnen und Migranten nicht mehr an der Hafenmauer bleiben müssen. Eine Kaserne soll künftig als Erstaufnahmelager dienen, dort sollen sie registriert und auf Corona getestet werden. Erste Bilder aus der Kaserne in der Nähe von Las Palmas auf Gran Canaria zeigen 23 olivgrüne Militärzelte mit Feldbetten. 800 Menschen sollen hier Platz finden.

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Kaserne auf Gran Canaria: 23 Militärzelte

Foto: BORJA SUAREZ / REUTERS

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