SPIEGEL: Am Montag reden Sie in der Runde der Ministerpräsidenten wieder mit Frau Merkel. Können Sie schon gar nicht mehr ohne die Kanzlerin?

Günther: Wir sehen uns ja leider gar nicht persönlich, sondern nur per Videoschalte. Aber ich bin sehr froh, dass es diese Konferenzen gibt und die Kanzlerin dort eine sehr starke Rolle einnimmt. Ohne Angela Merkel wären wir im Kampf gegen Corona nicht so erfolgreich.

SPIEGEL: Aber warum müssen Sie schon wieder tagen?

Günther: Wir wollen bewerten, welche erste Wirkung die einschneidenden Maßnahmen haben. Wie ist die Lage nach zwei Wochen Lockdown? Ich gehe nicht davon aus, dass wir am Montag über eine Veränderung der Maßnahmen reden.

Zur Person

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Foto: Political-Moments / imago images

Daniel Günther, Jahrgang 1973, ist seit Juni 2017 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Der CDU-Politiker regiert in Kiel in einer sogenannten Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP. Seit November 2016 ist Günther Landesvorsitzender der schleswig-holsteinischen CDU. In der Bundespartei gilt er als Mann mit Zukunft.

SPIEGEL: Wird dieser Shutdown light Ende November vorbei sein?

Günther: Ich bin zuversichtlich, dass die Maßnahmen wirken. Die Infektionszahlen sind in Schleswig-Holstein niedriger als im Bundesdurchschnitt. Ich werde die Einschränkungen nur so lange aufrechterhalten, wie sie notwendig sind.

SPIEGEL: Was sind Ihre Kriterien für ein Ende des Shutdowns?

Günther: Die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus muss deutlich verringert werden. Das scheinen wir derzeit auch zu schaffen. Aber das reicht nicht. Wir müssen die Inzidenz unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen drücken. Am besten sogar noch unter 35.

SPIEGEL: Und dann? Gehen die Länder wieder eigene Wege, wie im Sommer?

Günther: Wir haben uns jetzt auf einen gemeinsamen Weg verständigt, weil die Lage außer Kontrolle zu geraten schien. Aber auf Dauer kann das so nicht bedeuten, dass überall die gleichen…