Je nachdem, wie wir unsere Stimme einsetzen, verleiht sie Autorität, wirkt bedrohlich – manchmal offenbart sie dagegen Leiden und Verletzlichkeit. Sie ist das vielleicht sensibelste Instrument des Menschen.

Wenn uns jemand etwas erzählt, dann hören wir manchmal kleinste Nuancen heraus. Doch seit einiger Zeit machen uns dabei intelligente Maschinen Konkurrenz. Sie können lernen, sogar unterschwellige Botschaften zu erkennen, die wir vielleicht gar nicht senden wollten. Während menschliche Zuhörer schnell von Gestik und Mimik eines Sprechers aufs Glatteis geführt werden, wie Wissenschaftler herausfanden, lassen sich die Computer nicht foppen.

Forscher arbeiten deshalb schon länger daran, durch künstliche Intelligenz (KI) allerlei über den Menschen herauszufinden. Ober er Schmerzen hat, ober er krank ist und welche Krankheit das sein könnte – das alles soll die Sprache offenbaren, sagen Experten. Nun wollen es die Algorithmen mit dem Coronavirus aufnehmen.

Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film, aber Wissenschaftler um den KI-Experten Björn Schuller von der Universität Augsburg arbeiten an einer App, die Covid-19 an der Stimme eines Erkrankten erkennen soll.

Wie soll das gehen?

Der menschliche Sprachapparat ist ein hochkomplexes Gebilde, an dem gut 60 Muskeln beteiligt sind. Bei der Stimmerzeugung strömt die Luft aus der Lunge durch den Kehlkopf und versetzt Stimmlippen, die umgangssprachlich auch Stimmbänder genannt werden, in Schwingungen. Ein Muskel steuert dann über An- und Entspannung die Modulation der Töne.   

Diese motorischen Aspekte sind bei Erkrankungen der Atemwege eingeschränkt. Störungen des Stimmbildungsprozesses sind auch ein typisches Symptom der Lungenkrankheit Covid-19. „Die Schwingung der Stimmbänder kann asymmetrisch und asynchron verlaufen. Zusätzlich können sie durch die Krankheit in ihrer Bewegung eingeschränkt sein“, sagt Schuller, Inhaber des Lehrstuhls für Embedded Intelligence for Health Care and Wellbeing in…